LERNLUST #68 // Lernwelten entwickeln: Wie Blended Learning an einer Hochschule gelingt.
Shownotes
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Die Gäste dieser Folge:
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**Christian Huber, tts ** www.linkedin.com/in/christian-d-huber/
Daniel Arnold, sfb https://www.linkedin.com/in/daniel-emanuel-arnold-076774150/
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Die Podcast Host dieser Folge:
** **Claudia Schütze **
www.linkedin.com/in/claudiaschuetze/
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tts Success Story:
** https://www.tt-s.com/de/learning-architects/sfb-blended-learning-erfolgreich-etabliert
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00:00:24: Claudia: Wenn eine Hochschule zeitgemäßer, moderner und digitaler werden möchte,
00:00:29: Claudia: dann heißt das auch, etwas an den bisherigen Lehr- und Lernformaten zu verändern.
00:00:34: Claudia: Bisher üblicher Vor-Ort-Unterricht kann so mit weiteren Lernformen angereichert und gemixt werden.
00:00:41: Claudia: Und genau das ist so gerade bei der Schweizer Höheren Fachschule sfb passiert.
00:00:46: Claudia: Die sfb ist ein Bildungszentrum, in dem verschiedenste Studiengänge aus den
00:00:52: Claudia: Bereichen Wirtschaft und Technik, aber auch entsprechende Aus- und Weiterbildungen
00:00:56: Claudia: berufsbegleitend angeboten werden.
00:00:58: Claudia: In einem großen Teil der Studiengänge sind die bisher klassischen Präsenzveranstaltungen
00:01:04: Claudia: bereits mit Online-Unterricht und geführten Selbstlerneinheiten ergänzt worden
00:01:10: Claudia: und so ist ein komplett neues Blended Learning Angebot entstanden.
00:01:15: Claudia: Diese Transformation der Lehre hat weitreichende Konsequenzen für alle Beteiligten,
00:01:21: Claudia: sowohl für die Lehrkräfte, die an der sfb sehr häufig aus der Praxis kommen,
00:01:26: Claudia: als auch für die Studierenden selbst.
00:01:29: Claudia: Und dabei ist insbesondere die Erstellung der Selbstlerneinheiten eine große
00:01:33: Claudia: Herausforderung gewesen.
00:01:35: Claudia: Von der Identifizierung der richtigen Inhalte, der methodisch-didaktisch sinnvollen
00:01:40: Claudia: Aufbereitung bis hin zum Aufbau einer E-Learning-Factory,
00:01:44: Claudia: um die große Anzahl an benötigten Selbstlerneinheiten qualitativ hochwertig
00:01:50: Claudia: und in einem effizienten Produktionsprozess erstellen zu können.
00:01:53: Claudia: Mein Name ist Claudia Schütze und ich spreche über all das in dieser LERNLUST-Episode mit Daniel Arnold,
00:02:02: Claudia: dem Leiter Blinded Learning und verantwortlich für die Lehrkräfteentwicklung
00:02:06: Claudia: bei der sfb und mit meinem sehr geschätzten tts-Kollegen Christian Huber,
00:02:11: Claudia: der dieses Transformationsprojekt mit viel Herzblut betreut hat.
00:02:23: Claudia: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen LERNLUST-Episode und ich freue
00:02:30: Claudia: mich, wieder zwei Gäste heute hier zu haben.
00:02:34: Claudia: Und wir haben jemanden zu Gast, der noch nicht in der LERNLUST war und ich begrüße
00:02:40: Claudia: ganz herzlich Daniel Arnold.
00:02:42: Claudia: Schön, dass du da bist heute. Herzlich willkommen.
00:02:45: Daniel: Hallo miteinander. Ich freue mich sehr, dass ich heute dabei sein darf.
00:02:48: Claudia: Schön, dass du da bist. Und wir haben jemanden, den ihr wahrscheinlich schon
00:02:53: Claudia: aus der einen oder anderen Episode kennt.
00:02:55: Claudia: Mein sehr geschätzter Kollege Christian Huber. Christian, herzlich willkommen.
00:03:01: Christian: Salut Claudia und hallo Daniel. Schön, dass wir zusammen über dieses Thema sprechen können.
00:03:06: Claudia: Ja, ich freue mich auch sehr. Und wie ihr da draußen jetzt unweigerlich festgestellt
00:03:11: Claudia: habt, bin ich diesmal die Außenseiterin, was die Sprache anbetrifft.
00:03:15: Claudia: Also, wir haben zwei Gäste aus der Schweiz heute, darüber freue ich mich ganz
00:03:18: Claudia: besonders und das soll aber überhaupt nicht unser Gegenstand des Gesprächs heute
00:03:24: Claudia: sein, sondern wir wollen reden über ein Projekt, in dem ihr beide zusammengearbeitet
00:03:29: Claudia: habt, Christian und Daniel.
00:03:31: Claudia: Und bevor wir das gleich tun werden, ihr kennt es alle schon da draußen,
00:03:36: Claudia: würde ich meine Gäste euch kurz vorstellen wollen, damit ihr wisst, wen ihr hört.
00:03:40: Claudia: Also, Daniel Arnold ist geboren und aufgewachsen in Biel, in der Schweiz.
00:03:48: Claudia: Auf der Sprachgrenze hast du mir souffliert, auf der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch.
00:03:54: Claudia: Ich nehme schon was vorweg, ihr habt beide Erziehungswissenschaften studiert.
00:03:57: Claudia: Das ist zum Beispiel was, was euch eint in eurer beruflichen Historie.
00:04:02: Claudia: Und du arbeitest seit 25 Jahren, Daniel, im betrieblichen Aus- und Weiterbildungskontext
00:04:09: Claudia: bei großen Schweizer Firmen in verschiedensten Branchen.
00:04:12: Claudia: Und zuletzt warst du Teamleiter Learning and Development bei einer Schweizer Bank in Zürich.
00:04:20: Claudia: Du bist jetzt seit gut einem Jahr, das ist der Kontext, über den wir heute auch
00:04:24: Claudia: reden wollen, bei der höheren Fachschule sfb und du bist verantwortlich für
00:04:30: Claudia: Blended Learning dort und für die Entwicklung von Lehrpersonen.
00:04:35: Claudia: Und ansonsten bist du verheiratet, hast zwei Buben. Ich liebe dieses Wort.
00:04:39: Claudia: Ich hoffe, du findest dich wieder in dem, wie ich dich vorgestellt habe, Daniel.
00:04:44: Daniel: Absolut. Und die zwei Buben sind momentan wirklich so die Hauptbeschäftigung
00:04:49: Daniel: in meiner Freizeit, die irgendwo auf die rechte Bahn zu kriegen.
00:04:53: Daniel: Das ist eine sehr schöne, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe, der mich widme.
00:04:59: Claudia: Super, das glaube ich. Und ich sage herzlich willkommen. Schön, dass du da bist, Daniel.
00:05:04: Claudia: So, dann will ich auch noch ganz kurz zu Christian was sagen,
00:05:07: Claudia: der natürlich kein Unbekannter im Podcast ist.
00:05:09: Claudia: Aber Christian, auch du hast irgendwie 25 Jahre berufliche Erfahrung in verschiedensten
00:05:15: Claudia: Lernkontexten, sage ich einfach mal, in verschiedenen Lernfeldern,
00:05:19: Claudia: euch eint die Erziehungswissenschaft, das habe ich schon vorweggenommen.
00:05:22: Claudia: Und deine Stationen aus diesem Lehr- und Lernkontext gingen von der Schule über
00:05:30: Claudia: die Hochschule, über Jugendarbeiten,
00:05:32: Claudia: über sportliche Aktivitäten tatsächlich und über verschiedenste Settings aus
00:05:39: Claudia: der Lehr- und Weiterbildung. Ja.
00:05:43: Claudia: Das, was du dort natürlich auch hattest, sind viele, viele unterschiedliche
00:05:48: Claudia: Erfahrungen mit dem Thema Blended Learning.
00:05:50: Claudia: Und deshalb bist du heute auch so ein guter Gesprächspartner für uns zu dem
00:05:56: Claudia: Projekt, in dem ihr beide gemeinsam arbeitet, aber eben auch aus deinem beruflichen
00:06:00: Claudia: Hintergrund. Christian, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
00:06:03: Christian: Yes, hallo.
00:06:04: Claudia: Yes, super. Okay. So, dann lasst uns mal starten. Also, Blended Learning,
00:06:11: Claudia: ich habe es schon ein bisschen vorweggenommen, ist das Thema,
00:06:14: Claudia: über das wir heute gemeinsam sprechen wollen.
00:06:17: Claudia: Ihr habt dazu miteinander gearbeitet,
00:06:20: Claudia: eine ziemlich lange Zeit in einem Projekt, nämlich bei der sfb.
00:06:24: Claudia: Und vielleicht ist das ein guter Punkt, Daniel, dass ich dich nochmal ganz kurz
00:06:28: Claudia: einladen würde, was zu sagen zur sfb.
00:06:32: Claudia: Weil ich könnte mir vorstellen, dass nicht alle unsere Hörerinnen und Hörer
00:06:35: Claudia: damit etwas anfangen können. Und magst du nochmal eine ganz kurze Intro über
00:06:40: Claudia: den organisationalen Kontext sozusagen geben?
00:06:44: Daniel: Ja, sehr gerne.
00:06:46: Daniel: Mit zehn Standorten und über 1200 Studierenden und rund etwa 450 Lehrpersonen
00:06:55: Daniel: aus der Praxis ist die sfb, eine höhere Fachschule für Technologie und Management,
00:07:00: Daniel: mit ausschliesslich berufsbegleitenden Lehrgängen im Bereich Technik und Wirtschaft,
00:07:05: Daniel: eine der grössten höheren Fachschulen in der Schweiz.
00:07:07: Daniel: Und ich arbeite selber hier am Standort in Dietikon, das ist in der Nähe von
00:07:11: Daniel: Zürich und wir sind wirklich in allen Landesteilen auch präsent.
00:07:15: Daniel: Ich denke, das ist auch etwas, was uns auszeichnet, dass auch die französischsprachigen
00:07:19: Daniel: Studierenden und auch die italienischsprachigen im Tessin können sich an der
00:07:23: Daniel: SFW einschreiben und sich beruflich weiterentwickeln.
00:07:28: Daniel: Persönlich bin ich als Blended Learning-Verantwortlicher,
00:07:33: Daniel: angestellt hier an der Schule und das ist dann eben auch die
00:07:36: Daniel: Thematik, mit der ich mich eben mit Christian und seinem Team auch eng austausche
00:07:41: Daniel: wöchentlich, um hier die Transformation, die digitale Transformation auch voranzutreiben.
00:07:46: Claudia: Okay, ganz herzlichen Dank. Dann haben vielleicht auch Menschen,
00:07:50: Claudia: die uns nicht aus der Schweiz zu hören, eine Idee, was der Kontext ist,
00:07:54: Claudia: in dem ihr beide miteinander zum Thema Blended Learning gearbeitet habt.
00:08:00: Claudia: Und jetzt habe ich schon so oft gesagt, Blended Learning, ich glaube ... also
00:08:05: Claudia: ich gehe davon aus, fast alle unsere Zuhörerinnen werden eine Fantasie
00:08:08: Claudia: im Kopf haben zu dem Thema Blended Learning.
00:08:11: Claudia: Ich bin mir aber relativ sicher, dass wir nicht alle dieselbe Fantasie im Kopf haben dazu.
00:08:15: Claudia: Und deshalb wollen wir darüber natürlich reden und frage euch beide einfach
00:08:20: Claudia: mal, was sind denn so eure Lernerfahrungen aus dem Hochschulkontext?
00:08:25: Claudia: Also wir haben alle studiert, ich auch, bei mir ist aber schon ganz schön lange her.
00:08:29: Claudia: Das heißt, ich muss mir auch wirklich Mühe geben, mich daran zu erinnern.
00:08:33: Claudia: Aber wie blendet waren denn eure Hochschullernerfahrungen, ihr zwei?
00:08:38: Christian: Also ich kann hier mal einsteigen. Zumindest waren meine Hochschulerfahrungen
00:08:43: Christian: nicht so, dass sie nur auf ein einziges Format gesetzt hätten im Lernen,
00:08:48: Christian: nämlich nur auf Präsenzveranstaltungen.
00:08:52: Christian: Das ist das, was wir alle kennen von einem Studium, sondern man hatte ja schon
00:08:56: Christian: immer einen Selbstlernanteil, den man asynchron gemacht hat,
00:09:01: Christian: den man mit verschiedenen Medien gemacht hat.
00:09:03: Christian: Man hat vielleicht recherchiert im Internet, man hat Texte gelesen, aber auch auf Papier.
00:09:08: Christian: Man hat gesprochen mit KommilitonenInnen. Das ist dann vielleicht eher informales
00:09:12: Christian: Lernen, aber es ist halt auch, was dazugehört.
00:09:14: Christian: Deswegen war das schon immer ein Mix aus verschiedenen Lernmedien und Lernformaten.
00:09:21: Christian: Ich muss noch ergänzen, da ich jetzt meinen Master erst vor ein paar Jahren
00:09:26: Christian: gemacht habe, mein Bachelor war schon vor über 20 Jahren.
00:09:30: Christian: Bin ich da vor ein paar Jahren halt genau in diese Corona-Zeit reingerutscht.
00:09:34: Christian: Und da hat man dann eigentlich dann auch echtes Blended Learning gemacht,
00:09:38: Christian: so ein bisschen gezwungenermaßen, nämlich digitale, synchrone Lernformate eingesetzt.
00:09:44: Christian: Also sich online gemeinsam getroffen und dort gemeinsam mit Video und Ton live
00:09:51: Christian: übertragen, quasi zum Beispiel eine Vorlesung oder ein Seminar gemacht.
00:09:55: Christian: Und das war dann eigentlich echtes Blended Learning, wie man es sich auch nach dem Buch vorstellt.
00:10:00: Claudia: Ja, sehr schön. Christian, bevor wir da gleich noch ein bisschen tiefer einsteigen,
00:10:04: Claudia: wollte ich aber Daniel auch ganz gerne mal hören, wie deine Erfahrungen waren
00:10:08: Claudia: mit dem Thema Blended im eigenen Erleben sozusagen.
00:10:13: Daniel: Ja, meine Ausbildung datierte auch schon noch vor der Jahrtausendwende,
00:10:19: Daniel: Ende der 90er Jahre an der Universität
00:10:21: Daniel: Bern. und da war schon das Modul Präsenzveranstaltung dominant.
00:10:26: Daniel: Also man hat wirklich noch keine digitalen Lernformate gekannt.
00:10:30: Daniel: Eine E-Mail-Adresse zu besitzen oder ein Mobiltelefon, das war exklusiv.
00:10:35: Daniel: Das war damals noch nicht selbstverständlich.
00:10:37: Daniel: Und da war es dann wirklich auch vor allem meinem Antrieb geschuldet,
00:10:42: Daniel: dass ich mich einfach auch immer selber vor- und nachbereitet habe im Selbststudium
00:10:46: Daniel: mit Büchern, mit Unterlagen, die ich mir in der Bibliothek zusammengesucht habe. und eben ...
00:10:52: Daniel: digitales Lernen war noch kein Thema damals. Das kam erst dann nach meinem Studium.
00:10:59: Daniel: Unterdessen natürlich viele Weiterbildungen, auch an Fernfachhochschulen,
00:11:04: Daniel: die dann sehr stark auf Blended Learning gesetzt haben.
00:11:06: Daniel: Aber das war dann natürlich viel moderner und zeitgemäßer, wie wir es heute auch kennen.
00:11:12: Daniel: Aber wirklich die Grundausbildung, das war noch ganz traditionell.
00:11:15: Claudia: Okay, ich glaube, da kann ich ganz laut nicken dazu. Also mein Studiumsende
00:11:20: Claudia: war auch deutlich vor der Jahrtausendwende und insofern, Daniel,
00:11:25: Claudia: verstehe ich sehr gut, was du sagst.
00:11:26: Claudia: Also mein Studium funktionierte natürlich über Anwesenheit im Hörsaal,
00:11:30: Claudia: in Seminaren, über wirklich physische Präsenz.
00:11:34: Claudia: Und all die schönen, hilfreichen, unterstützenden Tools, die wir heute haben,
00:11:39: Claudia: um eben auch andere Sachen reinzumixen in diesen Blended Learning Mix,
00:11:46: Claudia: die gab es damals alle nicht.
00:11:47: Claudia: Aber natürlich gab es auch Dinge, die das ergänzt haben.
00:11:51: Claudia: So wie Christian es eben auch schon gesagt hat, natürlich mussten wir uns Dinge selber erarbeiten.
00:11:55: Claudia: Wir mussten auch was lesen und mitbringen zu den Seminaren. Wir mussten was
00:11:59: Claudia: ausarbeiten und vorbereiten und recherchieren.
00:12:03: Claudia: Also all das kenne ich natürlich auch, aber eben ohne die schicken digitalen
00:12:06: Claudia: Tools, die wir heute haben.
00:12:08: Claudia: Und Christian, ich glaube, das ist jetzt ein guter Aufhänger.
00:12:10: Claudia: Du hast ja eben schon so ein bisschen angefangen zu sagen, was du unter einem
00:12:15: Claudia: Blended Learning Ansatz verstehst.
00:12:17: Claudia: Und weil ich ja in meiner Intro mich so weit aus dem Fenster gelehnt habe und
00:12:20: Claudia: gesagt habe, ich glaube, jeder von uns, auch unsere ZuhörerInnen,
00:12:24: Claudia: haben unterschiedliche Ideen dazu, was vielleicht Blended Learning sein könnte,
00:12:29: Claudia: würde ich das, glaube ich, gerne mit euch nochmal ein bisschen ausführen und
00:12:34: Claudia: würde euch gerne einladen, mal eure Gedanken zu teilen, was ihr denkt,
00:12:38: Claudia: was sind denn so mögliche Ansätze für so ein Blended-Learning-Format?
00:12:42: Christian: Also es gibt nicht die eine Lehrbuchdefinition von Blended Learning.
00:12:47: Christian: Ich sage jetzt mal ein bisschen, was der Common Sense ist, was man normalerweise darunter versteht.
00:12:52: Christian: Ich nehme einfach diesen englischen Begriff Blended Learning,
00:12:55: Christian: den man ja so frei übersetzen kann in vermischtes Lernen oder Mixen,
00:13:01: Christian: was zusammentun, was eigentlich sonst getrennt wäre.
00:13:06: Christian: Und Lernen hat das schon an sich schon immer, dass es halt eigentlich immer
00:13:10: Christian: schon blended learning ist, so im Großen und Ganzen gesehen.
00:13:14: Christian: Wenn man jetzt ein bisschen enger hinschaut, dann geht es vor allem um den Mix
00:13:18: Christian: von digitalen Formaten und nicht-digitalen Formaten.
00:13:23: Christian: Also ganz klassischerweise, man hat irgendein Thema, irgendeinen Kurs und da
00:13:28: Christian: trifft man sich ein paar Mal vor Ort in einem Klassenraum oder auf
00:13:33: Christian: der Exkursion oder wo auch immer, aber man hat halt eben auch Treffen,
00:13:37: Christian: die digital stattfinden, wo man sich in einem Teams-Raum oder einem anderen digitalen
00:13:43: Christian: Tool trifft und dort in Präsenz was zusammen macht.
00:13:47: Christian: Das ist so wichtig, sind diese Präsenzphasen, die verschieden gestaltet werden,
00:13:52: Christian: was dann das Blended ausmacht.
00:13:54: Christian: Aber da kann man natürlich noch viel weiter denken.
00:13:56: Christian: Ich bringe ein kleines Beispiel, weil wie das dann konkret aussieht und da gibt
00:14:01: Christian: es dann wieder so Untermodelle oder andere Begriffe dazu, zum Beispiel das Thema Flipped Classroom.
00:14:07: Christian: Das ist so ein Konzept, was da fest zusammenhängt mit dem Blended Learning.
00:14:10: Christian: Die Idee also, dass man wegkommt von zuerst Vermittlung eines Themas,
00:14:15: Christian: dann Übung und das eigentlich umdreht.
00:14:18: Christian: Also im Sinne von auch, es braucht vielleicht eine asynchrone Vermittlung,
00:14:22: Christian: man liest etwas oder man schaut ein Lernvideo.
00:14:25: Christian: Dann übt man es aber selbstständig und dann bringt man seine Fragen und seine
00:14:30: Christian: Erkenntnisse und seine Themen in ein Präsenzformat, wo man dann mit dem Experten,
00:14:36: Christian: der eben nicht mehr vermitteln muss, sondern punktuell schauen kann,
00:14:39: Christian: was bringen jetzt die Lernenden mit, darauf eingehen kann und mir diese Chance
00:14:43: Christian: vom Zusammensein nicht für einen Vortrag nutzt, sondern für Diskussion,
00:14:49: Christian: für gemeinsames Üben und so weiter.
00:14:51: Christian: Das wäre jetzt zum Beispiel ein Modell, das man sich denken könnte,
00:14:55: Christian: was Blended Learning wäre.
00:14:56: Claudia: Absolut. Danke, dass du das nochmal ein bisschen dargestellt hast.
00:14:59: Claudia: Den Flipped Classroom ist eine Idee, die ich auch sehr, sehr wertvoll auch in
00:15:03: Claudia: meinen Arbeitskontexten finde.
00:15:05: Claudia: Und ich nehme mal an, dass wir darüber auch nachher ein bisschen genauer sprechen werden.
00:15:11: Claudia: Aber jetzt haben wir so ein bisschen gehört, was ist eigentlich Blinded Learning? Was kann es sein?
00:15:15: Claudia: Viele verschiedene Ansätze sind sicher möglich. Aber Christian hat jetzt einen
00:15:18: Claudia: ein bisschen ausführlicher dargestellt,
00:15:21: Claudia: der auch später für uns dann eben noch zum Tragen kommen wird.
00:15:24: Claudia: Und jetzt ist so die Frage von mir, Daniel ... wir
00:15:29: Claudia: haben gehört, Blended Learning bei der sfb, okay, das ist der Weg, den ihr jetzt geht.
00:15:34: Claudia: Und wenn ich sage, jetzt geht und wir auch über die Tools, die vielleicht früher
00:15:38: Claudia: gar nicht zur Verfügung standen, gesprochen haben, das heißt,
00:15:41: Claudia: da war früher was anders.
00:15:42: Claudia: Und darüber würde ich gerne dich einladen, mal ein bisschen uns zu erzählen,
00:15:47: Claudia: wie war denn der Unterricht vorher, bevor ihr mit diesem Blended Learning Konzept
00:15:51: Claudia: gestartet seid an der sfb?
00:15:53: Claudia: Und was war der Auslöser überhaupt, was zu ändern daran?
00:15:59: Daniel: Also, wie ich gesagt habe, die sfb unterrichtet junge Menschen,
00:16:05: Daniel: vornehmlich Männer, die im Berufsleben stehen und die dann Freitagabends und
00:16:10: Daniel: Samstags an der Schule den Unterricht genießen mussten.
00:16:15: Daniel: Also das sage ich bewusst so, weil das natürlich immer auch ein großer Aufwand bedeutet.
00:16:20: Daniel: Die Leute wohnen nicht alle gleich im Umfeld der Schule, sondern haben zum Teil
00:16:22: Daniel: auch weiten Anfahrtsweg, haben vielleicht auch noch andere private Hobbys,
00:16:28: Daniel: denen sie nachgehen wollen am Samstag und die mussten das alles unter einen Hut bringen.
00:16:32: Daniel: Und der Unterricht hat da immer sehr klassisch im Klassenzimmer stattgefunden.
00:16:36: Daniel: Das sind die Lehrpersonen, die kommen dann auch aus ihrer beruflichen Umgebung
00:16:41: Daniel: in die Schule, unterrichten ihr Thema,
00:16:44: Daniel: versuchen ihre Inhalte so gut wie möglich an die Studierenden zu vermitteln
00:16:48: Daniel: und die gehen dann nach 17 Uhr wieder nach Hause und in der nächsten Woche wieder das gleiche.
00:16:54: Daniel: Also sehr traditionell, Zusatzaufwand ein großer, also ich habe großen Respekt
00:16:58: Daniel: vor diesen jungen Leuten, die sich da für solche Weiterbildungen auch entscheiden
00:17:02: Daniel: und das hat alles immer hier vor Ort stattgefunden.
00:17:05: Daniel: Und dann gab es eben auch bei der sfb natürlich mit der Pandemie wirklich einen Neustart.
00:17:12: Daniel: Da musste man in der kürzesten Zeit sich überlegen, wie verlieren wir nicht
00:17:15: Daniel: die Studenten, wenn sie nicht hierher kommen dürfen.
00:17:18: Daniel: Und da hat man dann sofort rübergeschwenkt in ein Online-Unterrichtsformat und
00:17:24: Daniel: hat gemerkt, das bietet durchaus auch Möglichkeiten, die wir nutzen könnten,
00:17:29: Daniel: wenn dann mal ein Begegnen wieder möglich ist.
00:17:31: Claudia: Ja.
00:17:32: Daniel: Ich denke, das war dann wirklich auch der Start und da hat sich die sfb dann
00:17:36: Daniel: das Ziel gesetzt, eine moderne Lernumgebung zu schaffen, die Möglichkeiten bietet,
00:17:41: Daniel: einem Studierenden Flexibilität zu geben, dass er vielleicht eben am Freitagabend
00:17:46: Daniel: dann nicht durch den Feierabendverkehr nach der Arbeit noch in die Schule fahren muss,
00:17:51: Daniel: sondern dass er vielleicht dann den Unterricht von zu Hause oder vielleicht
00:17:54: Daniel: sogar noch vom Arbeitsplatz aus mitverfolgen kann mit MS Teams.
00:17:58: Daniel: Das ist das Format, das wir gewählt haben für den Online-Unterricht und so dann
00:18:02: Daniel: im Online-Unterricht, also per Videoübertragung der Lehrperson folgen kann.
00:18:06: Daniel: Das war so ein bisschen der erste Aufhänger.
00:18:10: Daniel: Und dann hat man das noch ein bisschen weiterentwickelt und hat sich dann auch
00:18:13: Daniel: gesagt, ja, es sollte da auch noch möglich sein, dass Unterricht auch ohne Lehrperson stattfinden kann.
00:18:18: Claudia: Aha, okay.
00:18:19: Daniel: Das ist dann quasi das dritte Element, wir nennen das das geführte Selbstlernen,
00:18:25: Daniel: mit dem dann die Studierenden ihre Inhalte selbstständig nach- oder vorbereiten können,
00:18:32: Daniel: bevor sie dann wieder in den synchronen Unterricht zurückkehren,
00:18:36: Daniel: sei es dann in eine Präsenzveranstaltung wieder an der Schule oder in eine Online-Session,
00:18:42: Daniel: die sie dann vom Computer aus mitmachen können mit der Lehrperson zusammen.
00:18:46: Daniel: Das ist so der Mix, wie sfb das aufgestellt hat.
00:18:49: Claudia: Ein Mix aus drei, habe ich jetzt richtig verstanden, aus drei verschiedenen Lernformen, korrekt?
00:18:53: Daniel: Ganz genau. Unterschiedlich gewichtet auch, ist auch noch wichtig.
00:18:57: Daniel: Also Hauptbestandteil des Unterrichts an der sfb ist nach wie vor der sogenannte
00:19:02: Daniel: Präsenz- oder der Vor-Ort-Unterricht.
00:19:04: Daniel: Der umfasst drei Viertel mindestens und die restlichen Prozente teilen sich
00:19:11: Daniel: dann auf in Online-Unterricht und dann eben ein kleiner Teil, 10, 15 Prozent,
00:19:17: Daniel: wo dann wirklich der Student, die Studentin sich selbstständig in die Themen
00:19:20: Daniel: geführt einarbeiten kann.
00:19:23: Claudia: Okay, also ich finde, da sind viele Dinge drin, die sehr attraktiv klingen.
00:19:28: Claudia: Also denke ich auch für die jungen Leute, die zu euch kommen.
00:19:31: Claudia: Und Christian, ich würde dich jetzt gerne mal fragen, jetzt haben wir so ein
00:19:33: Claudia: bisschen die praktische Umsetzung von Daniel geschildert bekommen,
00:19:37: Claudia: wie es heute bei der sfb eben läuft und dich würde ich gerne fragen,
00:19:43: Claudia: was gibt es denn überhaupt für didaktische Gründe, Lernangebote in dieser Art und Weise zu machen?
00:19:50: Claudia: Also wir haben ein bisschen praktische Erleichterungen eben,
00:19:53: Claudia: glaube ich, von Daniel schon gehört.
00:19:54: Claudia: Also wie kann ein Wochenende eben anders gestaltet werden, wenn es ohne Reisen
00:19:58: Claudia: stattfinden muss und man eben das im Selbststudium zum Beispiel sicher arbeiten kann.
00:20:03: Claudia: Aber das ist jetzt erst so ein bisschen das Praktische gewesen und Christian,
00:20:07: Claudia: vielleicht kannst du mal so ein bisschen über die Gründe sprechen,
00:20:10: Claudia: die hinter solchen Lernangeboten stecken und dem Mix von solchen Lernangeboten stecken.
00:20:17: Christian: Gerne. Man kann ja zwei Perspektiven auftun, eine kollektive und eine individuelle.
00:20:22: Christian: Und wenn wir jetzt auf den Lernenden schauen, auf der individuellen Perspektive
00:20:26: Christian: bedeutet eine Entzerrung des Lernens in verschiedenen Formaten,
00:20:32: Christian: hat die Möglichkeit beim Selbstlernen, wenn ich jetzt darauf schaue,
00:20:36: Christian: ein eigenes Tempo zu setzen.
00:20:38: Christian: Ich kann dann halt in der Geschwindigkeit vorwärts gehen, die ich brauche.
00:20:44: Christian: Ich kann nochmal was lesen oder ein Video nochmal zurückspulen und anschauen.
00:20:48: Christian: Ich kann die Übungsaufgaben nochmal machen, um Hinweise zu bekommen für Lücken,
00:20:55: Christian: die ich vielleicht noch habe.
00:20:56: Christian: Ich kann auch rein theoretisch das übergebene Lehrmaterial verlassen,
00:21:03: Christian: selber recherchieren oder ins Gespräch kommen mit meinen Mitlernenden oder auch anderen Leuten.
00:21:10: Christian: Also man hat halt dort die Möglichkeit, sehr selbstbestimmt das Lernen zu gestalten.
00:21:17: Christian: Ich glaube, es ist wichtig, nicht der Illusion zu erliegen, dass dann alles
00:21:22: Christian: möglich wird, weil wir haben ja dann trotzdem Zeitrestriktionen.
00:21:25: Christian: Also man nimmt sich halt vor, ich habe jetzt eine Stunde Zeit zum Lernen.
00:21:28: Christian: Das ist das halt nicht unendlich.
00:21:29: Christian: Aber ich kann immerhin vorhaben, dieses eigene Tempo vorlegen und mir auch in
00:21:35: Christian: Ruhe rausfinden, wo ich anstehe und wo nicht.
00:21:40: Claudia: Okay.
00:21:41: Christian: Dann auf der kollektiven Ebene, um die andere Perspektive anzusprechen,
00:21:45: Christian: die Möglichkeit bietet dann, wenn man gemeinsam zusammen ist,
00:21:50: Christian: halt das zu nutzen, um nicht klassische Vermittlung zu machen.
00:21:54: Christian: Jemand spricht oder zeigt, die anderen schauen oder hören zu,
00:22:00: Christian: sondern dort mehr ins Gespräch zu kommen.
00:22:03: Christian: Also die Fragen, die mitgenommen wurden, aus der Selbstlernphase eben zu thematisieren,
00:22:08: Christian: in Gruppenarbeiten reinzugehen und so weiter.
00:22:11: Christian: Also Dinge zu, in Dialog zu gehen mit dem Experten und da dann auch Fallbeispiele
00:22:16: Christian: zum Beispiel anzuschauen.
00:22:18: Christian: Das wären so Vorteile von, wenn man das Lernen entzerrt und nicht auf eine Präsenzphase
00:22:25: Christian: alleine reduziert, sondern verschiedene Möglichkeiten anbietet.
00:22:29: Claudia: Super. Daniel, hast du noch Gedanken dazu, die du vielleicht ergänzen magst
00:22:34: Claudia: zu dem, was Christian eben schon mit uns geteilt hat?
00:22:38: Daniel: Ja, gerne.
00:22:39: Daniel: Ich nenne hier auch die Individualisierung, die mir persönlich auch sehr wichtig
00:22:44: Daniel: ist und das auch ein Versprechen ist unserer Schule, dass wir hier die Möglichkeit
00:22:49: Daniel: bieten, dass jeder und jede in ihrem eigenen Tempo auf ihre eigene Weise auch lernen können.
00:22:55: Daniel: Bedingt natürlich, dass man den persönlichen Lernstil auch identifiziert hat,
00:22:58: Daniel: dass man weiss beispielsweise, wann man am besten lernt.
00:23:01: Daniel: Ist das nachts um drei oder irgendwo morgens um acht?
00:23:05: Daniel: Das ist auch ganz wichtig, dass man die Studierenden hierzu auch befähigt,
00:23:10: Daniel: sich selber mit den eigenen Lernkompetenzen auch zu kennen, um dann diese Chance
00:23:15: Daniel: auch nutzen zu können, die einem dann das Blended Learning auch bietet.
00:23:20: Daniel: Und dann sicher auch ein wichtiger Punkt ist die Flexibilität,
00:23:23: Daniel: eben dass man dann selber entscheiden kann, heute kann und will ich,
00:23:27: Daniel: morgen bin ich andersweit beschäftigt und trotzdem kann ich mein Studium machen
00:23:31: Daniel: und bin dann nicht abhängig von allen Anwesenheitspflichten,
00:23:35: Daniel: wie man das früher eben gekannt hat.
00:23:38: Daniel: Und das denke ich, das ist auch im Zeitgeist, dass wir hier ein Angebot auch
00:23:43: Daniel: schaffen müssen, um die Bedürfnisse der jungen Generation wirklich auch Rechnung zu tragen.
00:23:49: Claudia: Ja, also ich glaube, dass das ein sehr wichtiger Ansatz ist.
00:23:53: Claudia: Der ist nicht nur wertvoll, der ist auch sehr wichtig, dieser Ansatz,
00:23:56: Claudia: weil eben Lernbedürfnisse unterschiedlich sind.
00:23:59: Claudia: Und ich glaube, jetzt ist endlich die Zeit gekommen, wo wir dem auch mehr Rechnung
00:24:04: Claudia: tragen können, also in jeder Form von Kontext Rechnung tragen können und einfach
00:24:09: Claudia: auch Menschen die Möglichkeit geben können,
00:24:12: Claudia: mehr in ihrem Rhythmus, in ihrer Präferenz, in ihrer Zeit, in ihrer Hochleistungslernzeit
00:24:19: Claudia: sozusagen auch lernen zu können, zumindest mit manchen dieser Angebote.
00:24:24: Claudia: Und jetzt habe ich euch beide so ein bisschen gefragt, so zum didaktischen Hintergrund
00:24:28: Claudia: und zu der Umsetzung in der Praxis haben wir jetzt schon so ein bisschen was
00:24:31: Claudia: gehört und ich habe gesagt, ihr arbeitet beide zusammen an diesem Kontext,
00:24:35: Claudia: eben Blended Learning an der sfb.
00:24:39: Claudia: Und Christian, vielleicht kannst du noch mal zwei, drei Sätze dazu sagen,
00:24:43: Claudia: warum du mit Daniel über genau dieses Thema bei der sfb nachdenkst und arbeitest.
00:24:50: Christian: Ja, unbedingt. Mache ich gerne. Der Punkt ist ein bisschen, dass das schon ein
00:24:56: Christian: Herzensprojekt für mich ist und für meine Co-Projektleiterin,
00:25:00: Christian: die Corinna Blaersch, die auch in diesem Projekt mitwirkt.
00:25:04: Christian: Und weil es halt ein tolles Projekt ist, mit einer Hochschule zusammenarbeiten zu dürfen.
00:25:10: Christian: Und weil dort halt das, was wir leisten von der tts her, quasi das Herz der
00:25:18: Christian: Hochschule betrifft, nämlich das Lernen.
00:25:19: Christian: Und in Anführungszeichen nicht nur ein Zusatz ist, der Mitarbeiter befähigt,
00:25:26: Christian: zum Beispiel eine Software zu beherrschen, was ich unglaublich wichtig finde,
00:25:29: Christian: aber was oft sonst die Realität in unseren Projekten ist.
00:25:34: Christian: Und genau, wie kamen wir dazu?
00:25:37: Christian: Also wir erhielten die Möglichkeit, uns vorzustellen bei der sfb.
00:25:42: Christian: Das war noch vor der Zeit, bevor Daniel da war.
00:25:46: Christian: Und die sfb hatte schon Erfahrung gesammelt mit diesen Blended Learning Umstellungen,
00:25:51: Christian: steckte aber ein bisschen in den Herausforderungen bezüglich diesen Selbstlernthemen,
00:25:56: Christian: die sie eben auch etablieren wollten.
00:25:58: Christian: Das klassische Unterrichten, gestalten von Unterrichtsgefäßen,
00:26:02: Christian: ob es online oder in Präsenz, das hatten die sehr gut im Griff.
00:26:06: Christian: Aber dieses Bereitstellen von Materialien, das Reingießen in E-Learnings eigentlich,
00:26:11: Christian: das ist eine Spezialität, die tts hat und da konnten wir zeigen,
00:26:14: Christian: dass wir die sfb gut unterstützen können im Aufbau einer.
00:26:19: Christian: Also das zu produzieren für all diese vielen Lehrgänge, die die sfb hat mit
00:26:24: Christian: ganz vielen Fächern, ist das ein Riesenaufwand, das gut koordiniert zu machen,
00:26:29: Christian: gut durchzudenken, zu organisieren und dann aber auch natürlich,
00:26:33: Christian: dass das Lernen im Mittelpunkt steht und haben mit der sfb dann gemeinsam diese Factory aufgebaut.
00:26:40: Claudia: Super. Okay, das heißt, du hast schon ein bisschen verraten, worum es dabei ging.
00:26:46: Claudia: Und insofern bringt uns, das war ein schöner roter Teppich, Christian,
00:26:49: Claudia: jetzt dazu, dass wir ein bisschen schauen wollen, was war denn eigentlich euer Ziel, Daniel?
00:26:54: Claudia: Was wolltet ihr erreichen mit dieser Umstellung, mit dieser Transformation,
00:27:00: Claudia: mit der Veränderung der Lernangebote? Und wie geht man vor, wenn man so eine
00:27:05: Claudia: Umstellung machen möchte?
00:27:07: Claudia: Also es wäre schön, wenn du uns dazu mal ein bisschen was erzählen würdest.
00:27:14: Daniel: Die Zielsetzung war für uns wirklich, dass wir einen zeitgemäßen Unterricht
00:27:18: Daniel: bieten können, der eben aus verschiedenen Unterrichtsphasen besteht,
00:27:23: Daniel: die inhaltlich analysiert wurden und man hat dann wirklich die Vorteile der
00:27:27: Daniel: einzelnen Methoden herauskristallisiert und hat gemerkt, welche Themen eignen
00:27:31: Daniel: sich eben in der Präsenz zu besprechen.
00:27:34: Daniel: Wo es dann eben darum geht, von der Expertise der Lehrperson zu profitieren,
00:27:39: Daniel: das soziale Lernen auch zu pflegen, den Austausch, das Vertiefen auch von Fragestellungen,
00:27:44: Daniel: die vielleicht auch spontan aufkommen.
00:27:46: Daniel: Das soll alles weiterhin im Vor-Ort-Unterricht beibehalten werden.
00:27:51: Daniel: In den Online-Sessions, dort ging es dann eher darum, die sind dann auch etwas
00:27:56: Daniel: kürzer gehalten, dass man dort dann beispielsweise Feedback miteinander teilt,
00:28:00: Daniel: dass man Fragestellungen nochmal vertieft, dass man kurze Übungen auch zusammen machen kann.
00:28:05: Daniel: Also dort sollte zum Beispiel dann der Monolog der Lehrperson sehr begrenzt nur vorkommen.
00:28:10: Daniel: Und dann in diesen Selbstlehneinheiten, die dann wirklich dem Studierenden die
00:28:15: Daniel: Möglichkeit bieten sollen, sich in ein Thema reinzuknien, sich zu vertiefen,
00:28:20: Daniel: vor allem aber auch vorzubereiten.
00:28:22: Daniel: Und hier ist die Idee, dass die Studierenden dann vorbereitet in den nächsten
00:28:27: Daniel: Präsenzunterricht reinkommen, dass sie also alle schon eine mentale Vorarbeit
00:28:32: Daniel: geleistet haben, sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben,
00:28:34: Daniel: vielleicht schon auch erste Fragestellungen formuliert haben,
00:28:37: Daniel: um dann gezielt in die Vorteile der Präsenzveranstaltungen reintauchen zu können,
00:28:44: Daniel: ohne dass dann der eine oder andere noch gar nicht weiss, worum es eigentlich geht.
00:28:48: Daniel: Das ist so sicher eines der Hauptthemen, das wir dann mit dem Erstellen der
00:28:52: Daniel: Selbstländerheiten verfolgt haben.
00:28:55: Daniel: Und hier hat uns eben das Team von Christian unterstützt im ganzen Prozess.
00:28:59: Daniel: Das muss man sich vorstellen, da sind viele verschiedene auch Beteiligte dabei.
00:29:05: Daniel: Wir haben einerseits Fachautorinnen identifizieren müssen.
00:29:08: Claudia: Okay.
00:29:09: Claudia: Das ist wer? Wer ist das Daniel? Fachautor:innen.
00:29:13: Daniel: Fachautoren haben wir rekrutiert aus dem Lehrkörper. Das sind Lehrpersonen,
00:29:17: Daniel: die sich hier bereit erklärt haben, quasi mal in eine andere Rolle zu schlüpfen
00:29:22: Daniel: und ihr Fach, das sie normalerweise unterrichten,
00:29:25: Daniel: aufzubereiten in einer geführten Selbstlehneinheit und quasi das Thema dann
00:29:31: Daniel: den Studierenden für selbstständige Lernen aufbereiten zu können.
00:29:35: Daniel: Also die haben quasi den Inhalt gebracht und wir haben es dann zusammengestellt
00:29:40: Daniel: in eine Lernsoftware und das Team von Christian hat uns dann geholfen,
00:29:45: Daniel: das auch didaktisch aufzubereiten mit entsprechenden Übungen,
00:29:50: Daniel: mit Repetitionen, dass es wirklich auch ansprechend daherkommt,
00:29:54: Daniel: um dem Studierenden auch ein Lernerlebnis bieten zu können.
00:29:57: Daniel: Es soll ja nicht nur eine Lektüre sein, da könnt ihr auch ein Buch nehmen natürlich,
00:30:02: Daniel: sondern es soll ihn auch motivieren, es soll ihm immer wieder auch die Möglichkeit
00:30:06: Daniel: geben, zu reflektieren und sich auch zu messen.
00:30:09: Daniel: Also wir haben auch Lernziele, die sie erreichen müssen dabei,
00:30:12: Daniel: um ihm ein Bild zu geben, hey, habe ich es verstanden, bin ich wirklich bereit,
00:30:16: Daniel: kann ich den nächsten Schritt gehen?
00:30:18: Daniel: Und das bedingt dann wirklich so eine Struktur, die möglichst immer auch gleich
00:30:23: Daniel: ist, aber Möglichkeiten auch bietet,
00:30:25: Daniel: dass jedes Fach wirklich auch den Geruch oder ich sage dem auch so ein bisschen
00:30:30: Daniel: die Eigenart der Lehrperson, die als Fachautor hier sich engagiert, beibehalten kann.
00:30:36: Claudia: Okay, das klingt sehr, sehr spannend. Christian, du hast es schon ganz deutlich
00:30:41: Claudia: gemacht. Du möchtest noch etwas dazu sagen, bitte.
00:30:44: Christian: Genau, das ist eigentlich einfach wunderbar, um da gleich anzudocken an dieses
00:30:49: Christian: Thema von den Fachautoren und wie kommen wir zu den Inhalten,
00:30:54: Christian: die wir im Selbstlernen dann oder die sfb im Selbstlernen dann anbietet und
00:30:59: Christian: Das, denke ich, ist auch für Hochschulen oder Schulen generell ein Knackpunkt,
00:31:04: Christian: weil Lehrpersonen traditionell ausgebildet sind, in synchronen Settings zu arbeiten.
00:31:13: Christian: Also direkt mit den Studierenden, vielleicht mal auch im Austausch,
00:31:17: Christian: im Dialog, aber nicht im Bereitstellen von Selbstlernmaterial.
00:31:25: Christian: Und gerade nicht, wenn man es e-Learning-mäßig aufbereitet, dass man viel Material
00:31:29: Christian: in eine Struktur reinbringen muss, die sich abwechselt aus Vermittlungsinhalten,
00:31:34: Christian: aus Übungen, aus Fallbeispielen und so weiter und das dann noch der richtigen
00:31:39: Christian: Sprache und so weiter gemacht hat.
00:31:40: Christian: Und da konnten wir halt die Expertise reinbringen von tts,
00:31:45: Christian: in der Erfahrung in diesem Bereich, Me-Learning gestalten von asynchronen Formaten
00:31:49: Christian: und der sfb einerseits durch unsere Expertise, also direkt dann in Einzelherstellung
00:31:56: Christian: von zwei Einheiten, helfen.
00:31:58: Christian: Aber wir haben ja dann auch gemeinsam, Daniel.
00:32:01: Christian: Diesen kleinen Didaktikkurs entwickelt, den wir den Fachautoren anbieten,
00:32:06: Christian: wo es sich eben selbst lernen.
00:32:08: Christian: Sie können da selbst lernen, lernen Sie einerseits das Tool kennen,
00:32:12: Christian: also was kann man nicht überhaupt für Medieninhalte nutzen, was gibt es für,
00:32:18: Christian: Übungsmöglichkeiten, es gibt Multiple Choice oder es gibt so Zuordnungsaufgaben,
00:32:21: Christian: die wir umsetzen können im E-Learning, dass Sie das kennen, was überhaupt möglich
00:32:25: Christian: ist, aber dann halt auch didaktisch, wie mache ich das, oder?
00:32:28: Christian: Oder wie mache ich einen roten Faden?
00:32:30: Christian: Wie muss ich das schreiben? Es geht ja auch oft um Texte, die die Fachautoren liefern müssen.
00:32:35: Christian: Die halt anders sind, als wenn man sie auf eine PowerPoint-Folie wirft,
00:32:39: Christian: wo es um Stichworte geht, aber man ergänzt dann auf der Tonspur und man muss halt da alles liefern.
00:32:44: Christian: Das sind zum Beispiel so Themen, wo sie sich einarbeiten konnten in diesem Kurs
00:32:47: Christian: und dann zusammen jetzt mit Daniel, früher noch mit uns,
00:32:51: Christian: auch in die Arbeitsphase gehen, wo sie das Konzept ausarbeiten und wir das begleiten
00:32:56: Christian: und didaktisch stramm ziehen, kann man sagen, bevor wir es in die Produktion nehmen.
00:33:02: Claudia: Okay, also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, das war schon eine Herausforderung
00:33:07: Claudia: für eure Lehrkräfte, Daniel, oder?
00:33:10: Daniel: Genau.
00:33:11: Claudia: Das war einfach ganz anders. Das wäre jetzt so, wie ich es zusammenfassen würde.
00:33:15: Claudia: Das war einfach anders als das, was Sie vorher gemacht haben.
00:33:18: Daniel: Dem ist es so. Die Lehrpersonen sind, wie Christian richtig gesagt hat,
00:33:23: Daniel: keine Autoren von Fachliteratur, sondern das sind Praktiker,
00:33:28: Daniel: die leben für ihr Fach und die lieben vor allem auch den Austausch mit den Studierenden.
00:33:33: Daniel: Also die Präsenz, das Wirken in der Präsenz ist diesen Personen sehr wichtig.
00:33:37: Daniel: Und das ist auch ihre Stärke. Okay, das verstehe ich absolut ernst.
00:33:40: Daniel: Trotzdem mussten wir irgendwo einen Weg finden, wie können wir das Wissen von
00:33:43: Daniel: diesen Experten eben in Lehrmittel transportieren, die wir dann aufbereiten konnten.
00:33:48: Daniel: Also wir haben nicht den Anspruch, dass wir alle diese Inhalte selber auch kennen,
00:33:52: Daniel: sondern das sind wirklich die Spezialisten gefragt, die für uns unterrichten.
00:33:55: Daniel: Und die mussten wir quasi befähigen, dann in diese Arbeit reinzukommen.
00:33:59: Daniel: Das war ein sehr eng geleiteter Prozess auch, sehr gut aufgesetzt auch von der
00:34:03: Daniel: tts, der uns da die Möglichkeit gab, eben in Zusammenarbeit mit diesen Fachautoren
00:34:08: Daniel: dann diese Inhalte zu erstellen. Das brauchte manchmal ein bisschen mehr Zeit.
00:34:13: Daniel: Wir hatten aber auch das Glück, dass einige Lehrpersonen sich auch mehrmals
00:34:16: Daniel: zur Verfügung gestellt haben für verschiedene Inhalte.
00:34:19: Claudia: Was bestimmt auch gut ist, weil es eine Lernkurve gibt dann für die Kolleg:innen.
00:34:23: Daniel: Genau, wir konnten profitieren von den Erfahrungen und das hat dann wirklich
00:34:26: Daniel: zu sehr guten Resultaten auch geführt.
00:34:28: Claudia: Ja, sehr schön. Klingt sehr interessant. Was habt ihr euren Lehrkräften noch mitgegeben?
00:34:34: Claudia: Also Christian hat eben den kleinen Kurs beschrieben, wo,
00:34:37: Claudia: glaube ich, so Basics, so klang es für mich zumindest, erklärt wurden, vermittelt wurden.
00:34:43: Claudia: Vielleicht gab es auch was zum Ausprobieren, weiß ich nicht so genau.
00:34:46: Claudia: Aber was habt ihr ihnen noch mit an die Hand gegeben?
00:34:50: Daniel: Ich habe ihm eben gesagt, du musst dir vorstellen, du musst ihm einen roten
00:34:53: Daniel: Faden bieten, der ihn begleitet, an dem er sich hochhangeln kann,
00:34:57: Daniel: um eben durch diese Selbstlehrerheit durchzuarbeiten.
00:35:00: Daniel: Die sind aufgesetzt als Ersatz eigentlich für vier Lektionen.
00:35:07: Daniel: Also ich stelle mir dann vor, statt dass ich dann vier Lektionen vor Ort besuche,
00:35:12: Daniel: arbeite ich das Thema quasi dann selbstständig in einer Selbstlehrerheit durch,
00:35:15: Daniel: zeitlich etwa bei 180 Minuten vielleicht. Okay.
00:35:19: Daniel: Und da muss man schon irgendwo sich auch überlegen, ja, wie halte ich jetzt
00:35:23: Daniel: meinen Lesenden bei der Stange?
00:35:24: Daniel: Dass der nicht gleich nach der ersten Seite schon wieder zum Kühlschrank geht,
00:35:28: Daniel: oder, und sich irgendwann eine Packung Chips holt, weil das interessanter ist.
00:35:31: Claudia: Das ist erlaubt, glaube ich. Wenn es lernförderlich ist, Daniel, ist es erlaubt.
00:35:36: Daniel: Auf jeden Fall.
00:35:38: Christian: Es gab auch ganz praktische Unterstützung neben diesem Kurs,
00:35:42: Christian: nämlich eine Vorlage, wo Sie Ihr Konzept reinschreiben.
00:35:45: Christian: Und so eine Vorlage zu haben, und die mussten wir auch entwickeln,
00:35:48: Christian: Die haben wir jetzt auch verfeinert in den letzten zwei Jahren,
00:35:50: Christian: seit wir dieses Projekt machen.
00:35:52: Christian: Das ist nicht ohne. Das hilft den Fachautoren ... wirklich okay.
00:35:58: Christian: Und das hilft auch uns, wenn wir es dann produzieren, dass wir halt wirklich
00:36:02: Christian: auch alles haben, was wir dann brauchen. Absolut.
00:36:04: Christian: Die ist gut strukturiert, die hat innerhalb der Vorlage noch Anweisungen für
00:36:08: Christian: die Fachhautoren, gerade wenn sie neu sind in diesem Konzeptionsschreiben.
00:36:13: Christian: Das hilft dann ihnen, neben dem Kurs, den sie machen können,
00:36:17: Christian: selbst eine Einheit dieser Kurs, die Vorlage zu nutzen.
00:36:21: Christian: Und dann, wie es Daniel schon gesagt hat, findet auch viel Beratung statt.
00:36:26: Christian: Da können wir gerne auch Daniel wieder fragen. Neben diesem roten Faden gibt
00:36:30: Christian: es auch noch andere Themen, Wie zum Beispiel auch so das Thema von geschickte
00:36:34: Christian: Übungen finden für das Thema. Was eignet sich denn da überhaupt?
00:36:39: Daniel: Weil Sie als Lehrperson kennen natürlich Ihre Studierenden auch am besten.
00:36:43: Daniel: Sie können am besten einschätzen, wo sind die Stolpersteine,
00:36:45: Daniel: wo sind Themen, die einfach von der Hand gehen, wo brauchst du ein bisschen
00:36:49: Daniel: mehr Hintergrundinformation.
00:36:51: Daniel: Und das war für uns wirklich auch spannend zu sehen.
00:36:55: Daniel: Jede Lehrperson sieht ihr Fach natürlich ein bisschen anders.
00:36:58: Daniel: Und mit einer Selbstlerneinheit müssen dann mehrere Lehrpersonen,
00:37:01: Daniel: die das Fach unterrichten, sich dann irgendwo auch zurechtfinden.
00:37:04: Daniel: Zurechtfinden, dass sie dann wissen.
00:37:05: Claudia: Okay, einer ist quasi der Mitentwickler sozusagen, aber mehrere Personen werden
00:37:12: Claudia: später damit arbeiten müssen. Habe ich das jetzt richtig verstanden?
00:37:15: Daniel: Richtig, richtig. Dadurch, dass wir ja auch geografisch an mehreren Standorten sind,
00:37:21: Daniel: heisst das, dass dann vielleicht an mehreren Standorten ein Lehrgang durchgeführt
00:37:25: Daniel: wird und die verfolgen alle den gleichen Lehrplan und gehen dann auch gleichzeitig
00:37:30: Daniel: alle in die Selbstlehrnphasen rein Und das bedingt dann eben,
00:37:34: Daniel: dass die Lehrpersonen untereinander auch wissen müssen, was steht da drin.
00:37:38: Daniel: Das ergibt sehr spannende Diskussionen, die dann in der sogenannten Fachschaft
00:37:42: Daniel: dann auch ausgetauscht werden, die dann wirklich auch sicherstellen,
00:37:46: Daniel: dass wir alle am gleichen Strang ziehen und die Studenten und Studentinnen da
00:37:50: Daniel: richtig begleiten können in ihrer Ausbildung.
00:37:52: Claudia: Okay. Ich glaube, da will ich nachher noch mal ein bisschen mehr dazu wissen,
00:37:57: Claudia: zu dem Prozess. Aber wir haben jetzt relativ stark fokussiert auf die eine Seite
00:38:01: Claudia: der Medaille ... auf eine Zielgruppe, nämlich auf die Lehrkräfte.
00:38:06: Claudia: Da gibt es aber auch noch die Studierenden, die ja mit dieser neuen,
00:38:10: Claudia: vielleicht für sie gar nicht so neuen, aber grundsätzlich neuen Art des Lernangebotes,
00:38:15: Claudia: der Lernangebote, es sind ja mehrere, deshalb eben dieser Mix,
00:38:19: Claudia: ja jetzt sich auseinandersetzen müssen und mit diesen neuen Lernangeboten sozusagen
00:38:23: Claudia: zu ihren Lernerfolgen kommen sollen.
00:38:26: Claudia: Und Daniel, wie ging es denn den Student:innen damit?
00:38:29: Claudia: Ich sage jetzt Student:innen, das ist glaube ich nicht ganz korrekt,
00:38:31: Claudia: du hast vorher gesagt, ihr seid mehrheitlich, sind das glaube ich männliche
00:38:34: Claudia: Studenten, die ihr habt, korrekt?
00:38:36: Daniel: Das ist genau so.
00:38:38: Claudia: So schön geübt an diesem Sprech ...
00:38:42: Claudia: Da passt es nachher gar nicht. Okay, Spaß beiseite, Daniel. Magst du mal ein
00:38:47: Claudia: bisschen erzählen, wie das für eure Studenten war?
00:38:51: Daniel: Also wir haben erkannt, dass eine schrittweise Befähigung auch der Studierenden
00:38:57: Daniel: zum selbstorganisierten Lernen sehr wichtig ist.
00:39:00: Claudia: Aha, absolut.
00:39:01: Daniel: Dass die Studierenden, die obligatorische Schulzeit und eine Berufslehre absolviert haben,
00:39:07: Daniel: vielleicht das Lernen nicht nur positiv in Erinnerung haben,
00:39:11: Daniel: sondern das immer auch ein bisschen eine mühsame Pflicht empfunden haben und
00:39:15: Daniel: vielleicht da nicht alle über die notwendigen Kompetenzen verfügen,
00:39:19: Daniel: um dann gleich in ein solches Setting reinzustürzen, wenn sie bei der sfb beginnen.
00:39:22: Daniel: Und deswegen war es uns sehr wichtig, die Studierenden da von Anfang an auch
00:39:27: Daniel: zu befähigen, sich eben mit Selbstmanagement-Tools auseinanderzusetzen,
00:39:32: Daniel: Touren kennenzulernen, die ihnen helfen, auch die Zeit richtig einzuteilen,
00:39:37: Daniel: ihre Lernkompetenzen kennenzulernen oder eben auch ihre innere Uhr zu verstehen.
00:39:43: Claudia: Magst du dazu mal ein bisschen ausholen, Daniel?
00:39:46: Claudia: Da bin ich sehr, sehr neugierig, ein bisschen mehr zu werden,
00:39:49: Claudia: zu sagen, okay, sie brauchten Tools, damit sie das besser können.
00:39:53: Claudia: Magst du mal sagen, was für Tools ihr ihnen an die Hand gebt oder zur Verfügung
00:39:57: Claudia: stellt, um da einfach so ein bisschen die eigene, ich sage jetzt schon auch
00:40:01: Claudia: mal, Lernkompetenz zu reflektieren und das eigene Lernen erfolgreicher zu machen?
00:40:07: Claudia: Das ist ein Thema, was, glaube ich, ganz, ganz, ganz viele Organisationen und
00:40:11: Claudia: Lernende in Organisationen haben.
00:40:13: Daniel: Genau, also wenn man eine Weiterbildung beginnt, da steht man oft wie ein bisschen
00:40:18: Daniel: der Esel am Berg und weiss gar nicht, wo muss ich jetzt beginnen.
00:40:21: Daniel: Da habe ich so viel irgendwo an Tasks in meiner Agenda drin und das fällt vielen
00:40:26: Daniel: schwer, sich dann da zu strukturieren und wir helfen ihnen hier mit ganz praktischen Tools,
00:40:31: Daniel: das Eisenhower-Prinzip vielleicht als Beispiel, hilft ihnen da entscheiden zu
00:40:36: Daniel: können, was ist jetzt wichtig, was ist dringend, was kann ich vielleicht noch
00:40:39: Daniel: auf die lange Bank schieben.
00:40:41: Daniel: Das hilft eben, die Inhalte ein bisschen auseinanderzunehmen und eben auch nicht
00:40:46: Daniel: irgendwo sich dann blockiert zu fühlen, dass man nicht weiss,
00:40:49: Daniel: wo den ersten Schritt machen.
00:40:51: Claudia: Ja, absolut.
00:40:52: Daniel: Oder eben auch die eigene Leistungskurve zu analysieren.
00:40:56: Daniel: Wir arbeiten da auch mit Tests, die Ihnen helfen zu erkennen,
00:40:59: Daniel: wo habe ich meine Stärken, wo habe ich eher ein bisschen das Down und da ist
00:41:04: Daniel: vielleicht dann wichtig zu wissen, dass ich da dann nicht irgendwo kopflastig
00:41:08: Daniel: unterwegs bin oder eben auch mit Mindmap.
00:41:12: Daniel: Oder auch mit den ganzen Kompetenzen rund um das Feedback geben,
00:41:17: Daniel: das auch ganz wichtig ist, dann auch im Austausch wieder mit den Lehrpersonen.
00:41:20: Daniel: Das sind alles verschiedene Themen, mit denen wir Ihnen den Weg eigentlich bereiten
00:41:25: Daniel: wollen, um dann eben im Blended Learning erfolgreich unterwegs sein zu können.
00:41:30: Claudia: Okay, klingt für mich super spannend.
00:41:32: Daniel: Wir haben wirklich gemerkt, das darf man nicht unterschätzen.
00:41:35: Daniel: Das zeigen auch Studien, dass das ganz wichtig ist, dass die sogenannte Selbstwirksamkeit
00:41:41: Daniel: von Studierenden, dass die wirklich entscheidend ist.
00:41:45: Daniel: Wenn ich mich in der Lage fühle, dass ich das schaffen kann, dann bin ich gut.
00:41:49: Daniel: Aber wenn ich irgendwo das Gefühl habe, ja, das habe ich früher nicht geschafft
00:41:52: Daniel: und werde ich auch jetzt nicht schaffen, dann fehlt ein wichtiges Element,
00:41:55: Daniel: um ein Studium wie bei uns an der sfb erfolgreich meistern zu können.
00:42:01: Claudia: Und ich glaube, mit diesen Glaubenssätzen
00:42:03: Claudia: sind viele von uns unterwegs aus vorherigen Lernerfahrungen.
00:42:08: Claudia: Und das ist schon auch ein bisschen, wie soll ich sagen,
00:42:11: Claudia: es ist auch schon eine kleine Herausforderung, sich damit zu beschäftigen und
00:42:15: Claudia: hinzugucken und die eigenen Lernkompetenzen überhaupt mal zu analysieren und
00:42:22: Claudia: dann zu gucken, was kann ich denn tun,
00:42:24: Claudia: um da eben vielleicht auch ein bisschen besser zu werden.
00:42:27: Claudia: Nicht im Sinne von besser, sondern wie kann ich es mir leichter machen zu lernen.
00:42:31: Claudia: Also das ist ja, glaube ich, das große Ziel, warum wir das in jedem Kontext,
00:42:35: Claudia: aber ihr eben, Daniel, auch in eurem Kontext eben macht.
00:42:38: Claudia: Und ich finde es toll, dass ihr diese Angebote für die Studierenden macht,
00:42:41: Claudia: dass sie da selber sich ein Stück weit prüfen können und weiterentwickeln können.
00:42:47: Claudia: Jetzt haben wir so ein bisschen über die Lehrpersonen und wir haben über die
00:42:50: Claudia: Studierenden gesprochen. Das heißt so, das sind die beiden Zielgruppen, die ihr habt.
00:42:54: Claudia: Und wir haben ein bisschen über die Lernformen gesprochen, die bei euch zum,
00:42:57: Claudia: oder Lernformen, die zum Einsatz kommen, wie ihr diesen Mix eben gestaltet.
00:43:03: Claudia: Und was eben eine Rolle spielte, war eben diese Selbstlerneinheiten,
00:43:08: Claudia: über die habt ihr beide jetzt schon öfters gesprochen.
00:43:11: Claudia: Und jetzt wäre es für mich, glaube ich, nochmal ganz interessant zu erfahren,
00:43:16: Claudia: auch wenn ihr das eine oder andere schon ein bisschen angerissen habt,
00:43:18: Claudia: aber jetzt nochmal wirklich explizit hinzugucken, wie habt ihr das dann gemacht?
00:43:22: Claudia: Wie habt ihr diese Selbstlerneinheiten konzipiert, nehme ich an?
00:43:27: Claudia: Da haben wir eben schon ein bisschen gehört, dass die Lehrpersonen euch quasi
00:43:30: Claudia: ihr Wissen in, ich sage jetzt mal pauschal Dokumenten, das wird es glaube ich
00:43:35: Claudia: auch so treffen, zur Verfügung gestellt haben unter Anleitung.
00:43:39: Claudia: Dafür war dieser rote Faden zum Beispiel, wie sollen sie vorgehen?
00:43:43: Claudia: Da gab es Fragen, die noch beantwortet worden sind, um eben anders als in der
00:43:48: Claudia: Präsenzveranstaltung,
00:43:49: Claudia: wo ich viele Schleifen drehen kann, immer wieder zurückkommen kann,
00:43:52: Claudia: alles irgendwie auf der Tonspur erklären kann, sondern jetzt wirklich gebündelt
00:43:56: Claudia: zur Verfügung stellen kann für Menschen,
00:43:59: Claudia: die sie nicht selber sind, aber die daraus die Lerneinheiten konzipieren und erstellen am Ende.
00:44:07: Claudia: Und Christian nickt jetzt schon so intensiv und Christian, ich nehme an,
00:44:09: Claudia: dass da, glaube ich, dein Teil und Corinnas Anteil ein relativ großer war,
00:44:13: Claudia: vermute ich mal, in der Begleitung dieser Umsetzung und der Produktion dieser Lerneinheiten.
00:44:19: Claudia: Und ich denke, dass es interessant wäre, davon noch ein bisschen mehr für unsere
00:44:24: Claudia: Hörerinnen und Hörer darzustellen.
00:44:27: Christian: Ja, gerne. Die Erstellung dieser Selbsteinheiten hat ganz viele Akteure,
00:44:34: Christian: die daran beteiligt sind.
00:44:36: Christian: Und ich möchte jetzt aber auf den Kern schauen. Ich will einfach noch andeuten,
00:44:39: Christian: da gibt es davor schon Prozesse intern bei der sfb, welche Inhalte werden überhaupt
00:44:45: Christian: wohin überführt und so weiter. Da kann vielleicht dann auch Daniel noch was dazu sagen.
00:44:49: Claudia: Ja, unbedingt.
00:44:49: Christian: Aber es geht dann halt wirklich konkret darum, okay, wir haben dieses Thema
00:44:54: Christian: in diesem Fach, das wollen wir jetzt überführen.
00:44:56: Christian: Wer ist Fachautor? Fachautor finden, instruieren, Konzeption machen.
00:45:00: Christian: Das sind wir jetzt vorher schon drauf eingegangen.
00:45:03: Claudia: Genau.
00:45:03: Christian: Auch dieses Konzept steht meistens nicht einfach im ersten Wurf,
00:45:06: Christian: sondern gibt es mehrere Überarbeitungsschleifen oder auch so mal hin und her.
00:45:11: Christian: Vor allem dann Daniel, der dafür zuständig ist.
00:45:14: Christian: Früher waren das auch Corinna und ich, die diese Aufgabe noch gemacht haben.
00:45:18: Christian: Ja, und dann steht das Konzept. Und dann sind vielleicht auch noch Mediendateien,
00:45:22: Christian: also vor allem sind das oft Bilder, Grafiken, vielleicht auch noch Links auf
00:45:26: Christian: Videos oder eigene Videos, sind dann ready.
00:45:29: Christian: Und dann produzieren wir das. Das machen wir mit Articulate RISE.
00:45:33: Christian: Das ist das Tool, worauf sich die sfb auch schon bevor wir dazu kamen,
00:45:37: Christian: eigentlich geeinigt hatte.
00:45:39: Christian: Und wir setzen das dort um und dann gestaltet man das.
00:45:43: Christian: Und das ist dann halt wirklich ein Produktionsprozess, wo wir die Inhalte in
00:45:47: Christian: der Reihenfolge einfüllen, wo wir Einstellungen vornehmen müssen,
00:45:52: Christian: wo wir schauen, ob das dann auch technisch klappt, sich abspielen lässt,
00:45:57: Christian: schauen, dass es gut aussieht, dass die Gestaltungsrichtlinien eingehalten werden und so weiter.
00:46:02: Christian: Es steht dann mal eine erste Version.
00:46:05: Christian: Das wird immer intern zuerst noch geprüft, die Qualität.
00:46:09: Christian: Und dann geht es zurück an den Fachautor, der das eigentlich reviewen muss.
00:46:14: Christian: Das heißt, wirklich korrigieren muss, schauen muss, es ist so umgesetzt,
00:46:17: Christian: wie ich das richtig sehe, wie ich das konzipiert habe.
00:46:19: Christian: Gibt es irgendwo noch Fehler, Dinge, die nicht klappen, wir kriegen Feedback,
00:46:23: Christian: überarbeiten das, machen eine zweite Runde Review, kriegen vielleicht nochmal
00:46:27: Christian: Feedbacks und dann gibt es diese sogenannte finale Version.
00:46:31: Christian: Die wir dann weitergeben und die dann auch intern bei der sfb noch abgenommen werden muss.
00:46:37: Christian: Vielleicht noch mal Feedback gibt von den Lehrgangs-Verantwortlichen.
00:46:41: Christian: Ja, und wenn das durch ist, dann ist die Produktion ready und kann publiziert werden.
00:46:47: Christian: Und dann ist das dann, manchmal geht das in zwei oder drei Wochen, mehr von der Länge her.
00:46:53: Christian: Es ist nicht zwei Wochen, das zu produzieren. Das ist deutlich kürzer,
00:46:56: Christian: aber es braucht auch Abstimmungszeit immer zwischendurch.
00:46:59: Christian: Manchmal zieht sich das aber auch über zwei Monate, bis sowas steht.
00:47:03: Christian: Ich habe mich jetzt da vorher nicht im Detail informiert. Vielleicht hast du es im Blick, Daniel.
00:47:09: Christian: Aber wir sind, wenn ich richtig das schätze, schon weit über 150 Produktionen
00:47:15: Christian: jetzt insgesamt seit Start von dem.
00:47:18: Christian: Also das ist wirklich, da wurde sehr, sehr viel Selbstlernmaterial produziert.
00:47:23: Claudia: Wow, das klingt viel. Das klingt echt viel. Super.
00:47:28: Daniel: Ja, mit jedem Semester seit Herbst 2024 haben wir über 30 sogenannte Selbstlern-Einheiten
00:47:36: Daniel: in den Lehrplan integrieren können.
00:47:39: Daniel: Also ja, wie du sagst, da sind wir bei gut 150 Einheiten angelangt.
00:47:44: Daniel: Das sind fast 600 Lektionen, die wir da quasi ausgelagert haben im Selbstlernen.
00:47:49: Daniel: Ja, das sind einige Schultage, die dann quasi nicht mehr in den Schulungsräumen
00:47:54: Daniel: oder irgendwo online mit der Lehrperson zusammen verbracht werden,
00:47:58: Daniel: sondern die Studentin eben weiterentwickelt.
00:48:02: Daniel: Am Arbeitsplatz, im Schwimmbad, meistens aber auch zu Hause.
00:48:07: Daniel: Das haben eben auch die unzähligen Interviews ergeben, die wir auch führen,
00:48:12: Daniel: begleitend eigentlich zum ganzen Prozess, dass wir da wirklich auch nah an unseren
00:48:15: Daniel: Studierenden dranbleiben wollen.
00:48:17: Daniel: Da befragen wir sie immer auch wieder, wie es ihnen geht, wo sie ein bisschen
00:48:21: Daniel: die Pains und die Gains sehen.
00:48:23: Claudia: Das war übrigens eine Frage, die ich auch dir jetzt gerne noch gestellt hatte.
00:48:27: Claudia: Du bist mir schon ein bisschen zuvor gekommen. Fragt ihr denn nach Feedback
00:48:31: Claudia: auch eure Studierenden sozusagen?
00:48:33: Daniel: Das ist uns ganz wichtig, dass wir da wirklich sehr nahe an den Bedürfnissen
00:48:37: Daniel: auch bleiben, dass wir da wirklich ein Produkt erarbeiten, das Sinn macht,
00:48:42: Daniel: dass das dann auch ihnen hilft in ihrer Ausbildung.
00:48:46: Daniel: Nicht zuletzt ist es ja auch eine Investition, die sie tätigen müssen.
00:48:49: Daniel: Das ist ja nicht eine kostenlose Ausbildung, sondern die bedingt sehr große
00:48:54: Daniel: Aufwände und auch Verzicht von den Studierenden, die das Geld vielleicht auch
00:48:58: Daniel: andersweitig ausgeben möchten.
00:49:00: Daniel: Aber das ist uns wichtig, dass wir da wirklich sehr nah an ihnen bleiben.
00:49:03: Daniel: Und da haben wir das auch institutionalisiert mit verschiedenen Fragerunden,
00:49:08: Daniel: die wir immer wieder auch aufgreifen.
00:49:10: Daniel: Und lustigerweise hat sich da auch ergeben, dass das Unterwegs-Lernen für sie
00:49:14: Daniel: eigentlich nicht unbedingt das wichtigste
00:49:19: Daniel: Element ist, die lernen sehr gerne dann einfach auch wirklich zu Hause.
00:49:23: Daniel: Die haben sich zu Hause eingerichtet und haben dann wirklich dort ihre Lernumgebung auch so gestaltet,
00:49:30: Daniel: dass sie das Mobiltelefon weit weglegen, damit sie nicht abgelenkt sind und
00:49:34: Daniel: sich dann wirklich auch so konzentrieren können und irgendwo nicht die Möglichkeiten
00:49:38: Daniel: nutzen, die sie eigentlich auch könnten.
00:49:40: Daniel: Weil das Angebot ist wirklich auch device-unabhängig. Sie könnten auch unterwegs
00:49:45: Daniel: im Zug, in der S-Bahn, auf dem Handy, können Sie Ihre Inhalte auch lesen.
00:49:51: Daniel: Aber da habe ich jetzt gemerkt aus den Gesprächen, dass Sie da wirklich so die
00:49:54: Daniel: Lernumgebung zu Hause favorisieren.
00:49:58: Claudia: Das finde ich sehr interessant. Ein bisschen überraschend für mich zumindest, muss ich sagen.
00:50:03: Claudia: Weil ich immer so dachte, okay, dieses Selbstlernen gibt natürlich auch eine
00:50:08: Claudia: große Unabhängigkeit vom Ort des Lernens und damit eben auch für längere Zugfahrten, Busfahrten,
00:50:16: Claudia: was auch immer, Zeiten auf Ämtern, die man vielleicht mit Warten verbringt,
00:50:20: Claudia: immer die Chance, das auch ein bisschen für was Sinnvolles zu nutzen sozusagen.
00:50:24: Claudia: War so meine Fantasie tatsächlich, aber du sagst, das ist gar nicht so die Präferenz.
00:50:30: Daniel: Ja, es war auch die Annahme der sfb zu Beginn, dass wir da ein Produkt entwickeln
00:50:36: Daniel: wollen, das eben diese Möglichkeiten bietet.
00:50:39: Daniel: Viele unserer Studierenden sind da auch mit dem eigenen Auto unterwegs.
00:50:43: Daniel: Es sind also weniger auch Pendler.
00:50:46: Daniel: Die arbeiten manchmal auch nicht unbedingt immer in den Zentren,
00:50:49: Daniel: sondern die Firmen oder auch die Fabriken, in denen sie tätig sind,
00:50:52: Daniel: sind vielleicht ein bisschen in der Agglomeration draußen.
00:50:55: Daniel: Dann haben sie vielleicht auch unterschiedliche Arbeitszeiten,
00:50:58: Daniel: die dann auch eben eher das Auto als Arbeitsweg vorgeben.
00:51:03: Daniel: Also das haben wir gemerkt, dass das nicht unbedingt für sie das Killerkriterium
00:51:06: Daniel: Nummer eins ist, dass sie dann im Zug etwas vorbereiten können.
00:51:09: Claudia: Okay, verstehe, absolut. Okay, aber sehr interessant. Jetzt habt ihr,
00:51:13: Claudia: das, was du schon jetzt dargestellt hast, Daniel, hat ja schon so ein bisschen was mit.
00:51:17: Claudia: Learnings zu tun, die ihr gesammelt habt. Also ihr habt über die Lehrpersonen
00:51:22: Claudia: und der Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen schon ein bisschen,
00:51:24: Claudia: auch Christian vorhin erzählt, was waren so Learnings, was brauchten sie,
00:51:28: Claudia: um ihren Job eben vielleicht auch leichter, aber eben auch besser machen zu können.
00:51:33: Claudia: Du hast ein bisschen über die Bedürfnisse der Studierenden jetzt gerade schon
00:51:37: Claudia: eben gesprochen, Daniel.
00:51:38: Claudia: Und deswegen würde ich jetzt mal so ganz groß diese Frage in den Raum stellen.
00:51:42: Claudia: Was waren eure Learnings, die ihr in dieser Konzeption, in den Phasen,
00:51:47: Claudia: wo konzeptioniert wurde, in der Phase, wo ihr Lehrpersonen befähigt habt,
00:51:52: Claudia: in der Phase, wo produziert wurde,
00:51:55: Claudia: in den Phasen, wo es Feedback gab, wo der ganz normale Produktionsprozess einfach
00:51:59: Claudia: auch schon angelaufen war.
00:52:00: Claudia: Was habt ihr so ein Feedback bekommen und welche Learnings habt ihr gesammelt?
00:52:06: Daniel: Ich denke, von der Erfahrung, die ich jetzt überblicken kann,
00:52:12: Daniel: es ist ein gutes Jahr bei der sfb, sehe ich, dass wirklich die Kommunikation
00:52:17: Daniel: ein sehr entscheidendes Moment darstellt.
00:52:20: Daniel: Einerseits mit den Lehrpersonen.
00:52:22: Daniel: Lehrpersonen haben natürlich schon auch gemerkt, ich habe ja dann weniger Unterrichtseinheiten,
00:52:29: Daniel: die ich selber begleiten kann, sondern ich gebe ja dann was ab.
00:52:33: Daniel: Das führt dann dazu, dass ich vielleicht irgendwo auch unsicher bin.
00:52:37: Daniel: Sind die Studenten dann wirklich damit beschäftigt? Haben sie es gelöst,
00:52:40: Daniel: wenn sie dann wiederkommen?
00:52:42: Daniel: Verliere ich meine Studierenden auf ihrer Ausbildung? Dass sie da irgendwo vielleicht
00:52:47: Daniel: dann auch disziplinarisch irgendwo nicht mehr greifbar sind?
00:52:51: Daniel: Das sind sicher Themen, die wir dann kommunikativ auch auffangen mussten.
00:52:55: Daniel: Und auf der Seite der Studierenden auch die Kommunikation an ihre Selbstverantwortung.
00:53:01: Daniel: Das ist wirklich auch für mich eine Erkenntnis, das ist nicht einfach gegeben,
00:53:05: Daniel: dass die dann einfach selbstmotiviert wissen, okay, jetzt muss ich mich da selber
00:53:08: Daniel: drum kümmern, sondern da muss man sie schon auch begleiten und ihnen auch aufzeigen,
00:53:12: Daniel: hey, das Lehnen ist in erster Linie deine Verantwortung.
00:53:16: Daniel: Bieten dir die Möglichkeiten, wir bieten dir Inhalte, aber der Antrieb, der muss von dir kommen.
00:53:22: Daniel: Und das hat schon auch bei manchen vielleicht einen Aha-Effekt gebraucht,
00:53:27: Daniel: um das zu verstehen, die vielleicht sich gedacht haben, ich bring doch irgendwo
00:53:31: Daniel: das Geld, ich bezahle den Kurs, also gib mir das Zertifikat.
00:53:35: Daniel: Aber dass da eine Lernleistung dazwischen liegt, war nicht immer so ganz klar.
00:53:40: Claudia: Nein, ganz überraschend, dass da eine Lernleistung dazwischen liegt.
00:53:43: Claudia: Okay, Christian, was magst du denn zu sagen?
00:53:46: Christian: Ich würde das Lernen innerhalb unseres Projektes halt jetzt mal betonen,
00:53:50: Christian: weil ich auch gar nicht nah an den Studierenden dran bin.
00:53:53: Christian: Ich höre, dass dann jeweils von Daniel, was da für Erkenntnisse sind oder auch
00:53:56: Christian: an den Lehrpersonen nur begrenzt, vielleicht mal mit Fachautoren zu tun habe.
00:54:00: Christian: Aber ich finde natürlich schon, was die sfb sich da vorgenommen hat und was
00:54:04: Christian: sie da angegangen ist, das ist eine Riesensache. Das ist wirklich eine Riesensache.
00:54:09: Christian: Man denkt sich vielleicht so ein bisschen Lehrmaterial zusammenzustellen,
00:54:12: Christian: das gut zu gestalten und dann zur Verfügung zu stellen. ja, das macht man mal so schnell, aber,
00:54:17: Christian: diesem Umfang, wie die sfb das macht und auch braucht und natürlich auch mit
00:54:23: Christian: dem Qualitätsbewusstsein, das die Schule mitbringt und auch möchte,
00:54:28: Christian: geht das einfach nicht mal so so,
00:54:31: Christian: sondern das war wirklich ein intensiver Prozess zwischen der sfb und auch uns
00:54:36: Christian: und auch bei der sfb intern und natürlich auch bei uns zum Teil so interne Learnings,
00:54:41: Christian: bis dieser Factory mal stand.
00:54:44: Christian: Ich konzentriere mich jetzt einfach mal nur auf diese Selbstlerneinheiten,
00:54:47: Christian: weil wir da halt sehr zentral beteiligt sind, bis die Prozesse funktioniert haben.
00:54:53: Christian: Es brauchte ja viel Klärung auf beiden Seiten, viel Kommunikation,
00:54:57: Christian: wie es Daniel schon gesagt hat, das ist ein Herzstück.
00:54:59: Christian: Immer wieder auch Feedbackschleifen, also nach jedem Semester sitzen wir auch
00:55:04: Christian: zusammen am Schauen, was hat gut geklappt, wo müssen wir Stellschrauben ziehen.
00:55:09: Christian: Das ist auch harte Prozessarbeit, Organisationsarbeit teilweise,
00:55:13: Christian: wirklich auch Managementarbeit,
00:55:14: Christian: dass das in diesen Größenordnung einfach durchgeht und klappt und dann auch
00:55:19: Christian: viel einfach Zusatzenergie, die auf beiden Seiten, ich will da die SRP mal rausnehmen
00:55:24: Christian: also die Lehrgangsverantwortliche, die haben dann teilweise Zeiten, wo sie halt,
00:55:29: Christian: ja ich sage jetzt mal ein bisschen länger arbeiten als ihre 8,4 Stunden am Tag,
00:55:34: Christian: einfach weil es drängt und weil sie noch Dinge freigeben müssen oder noch ein
00:55:38: Christian: Feedback geben müssen und das gibt es an ganz vielen verschiedenen Stellen von
00:55:42: Christian: verschiedenen Akteuren.
00:55:43: Christian: Was man auch nicht unterschätzen darf, ist wirklich die technische Dimension.
00:55:48: Christian: Also dass diese Selbstseinheiten dann nachher laufen, obwohl das jetzt nicht das,
00:55:55: Christian: elaborierteste Tool ist, mit dem wir produzieren, sondern eigentlich ein simples
00:55:59: Christian: und was rausfällt, ist auch relativ einfach, aber dass das trotzdem für in die
00:56:03: Christian: Systeme reingeht, dort der Zugriff klappt,
00:56:07: Christian: die Studierenden das von all ihren Endgeräten auch rezipieren können,
00:56:13: Christian: und so weiter, dass das Feedback von Daten wieder ins System klappt.
00:56:18: Daniel: Also ein hoher Initialaufwand, der nicht zu unterschätzen ist und von manchen
00:56:24: Daniel: dann auch eben in Frage gestellt wird, ja, wieso tut ihr euch das überhaupt
00:56:28: Daniel: dann? Und es hat doch funktioniert vorher.
00:56:30: Daniel: Aber wir sind als Bildungsinstitut überzeugt vom nachhaltigen Erfolg,
00:56:34: Daniel: auch von digitalen Lernmethoden.
00:56:36: Daniel: Und die Kostenvorteile, die steigen dann auch mit der Anzahl Klassen,
00:56:41: Daniel: die dann diese Angebote nutzen.
00:56:42: Daniel: Und das war für uns auch natürlich ein wichtiger Entscheid, dass wir gestartet
00:56:46: Daniel: haben mit den Klassen, die wir eben an vielen Standorten auch führen.
00:56:50: Claudia: Okay, verstehe. Ja, Daniel, du hast eben gesagt, dass es auch unter Umständen
00:56:54: Claudia: infrage gestellt wurde. Wer stellt infrage?
00:56:56: Claudia: Ist das eher in eurer Organisation oder direkt auch ein bisschen grösser gedacht
00:57:01: Claudia: tatsächlich? Magst du dazu nochmal was sagen?
00:57:03: Daniel: Und auch hier habe ich gemerkt, das gibt dann von den Seiten Lehrpersonen Fragezeichen,
00:57:09: Daniel: die natürlich eben ihre Präsenz auch verlieren zu einem bestimmten Anteil.
00:57:15: Daniel: Natürlich sind es wenige Prozent, ich habe ja eingangs gesagt,
00:57:18: Daniel: das sind 10 bis 15 Prozent, aber trotzdem haben da natürlich einige Lehrpersonen
00:57:23: Daniel: schon das Gefühl, ja, das habe ich doch früher selber machen dürfen.
00:57:26: Daniel: Und jetzt wird das mir weggenommen.
00:57:30: Daniel: Aber auch auf der Studierendenseite gibt es schon auch Stimmen,
00:57:34: Daniel: die jetzt in der Übergangsphase natürlich noch im alten Lernkontext gestartet haben.
00:57:40: Daniel: Da war die Lehrperson immer präsent, am Freitag und am Samstag und jetzt plötzlich
00:57:44: Daniel: muss ich am Freitag dann nicht mehr auftauchen in der Schule,
00:57:48: Daniel: sondern muss dann selber was vorbereiten.
00:57:49: Daniel: Das hat schon auch bei einigen ein paar Fragen ausgelöst.
00:57:53: Daniel: Genau, meistens bei denen, die sich eben vielleicht auch schwer tun,
00:57:57: Daniel: sich selber zu motivieren,
00:57:58: Daniel: sich zu organisieren, die vielleicht eben profitiert haben, einfach in die Klasse
00:58:03: Daniel: reinzusitzen und sich zu berieseln von den Inhalten und dann irgendwo so sich
00:58:08: Daniel: durchzumogeln durch den Unterricht.
00:58:10: Claudia: Ich wollte gerade sagen, ob die wirklich profitiert haben, ist die Frage,
00:58:13: Claudia: aber für sich selbst profitiert haben, aber ja, es ist ein anderer Ansatz, definitiv, absolut.
00:58:20: Daniel: Aber wie gesagt, uns ist es wichtig, neben den Inhalten,
00:58:25: Daniel: die Studenten und Studentinnen wirklich auch auf die Arbeitswelt vorzubereiten
00:58:29: Daniel: und ihnen mit der Methodik auch das Selbstlernen, die Kompetenzen des kritischen
00:58:36: Daniel: Denkens auch mitgeben zu können,
00:58:38: Daniel: ihnen wirklich auch aufzuzeigen, dass das Lernen ein lebenslanger Prozess auch ist.
00:58:43: Daniel: Ich denke, heutzutage kann man sich nicht mehr erlauben, nur die Schulzeit als
00:58:47: Daniel: Lernen anzuerkennen und alles andere dann nicht mehr als Lernen zu sehen,
00:58:52: Daniel: sondern das ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt auch,
00:58:55: Daniel: den wir eben neben den Fachinhalten eben auch vermitteln wollen.
00:59:00: Christian: Ich möchte vielleicht ganz kurz darauf noch eingehen, auf dieses kritische Moment,
00:59:05: Christian: das es gibt und noch eine andere Perspektive reinbringen.
00:59:09: Christian: Was sehr viel dann in solchen Diskussionen nach vorne kommt, ist das Wort Kontrolle.
00:59:17: Christian: Ja, wenn ja die Studierenden alleine lernen, dann sehe ich ja gar nicht mehr,
00:59:22: Christian: ob sie es machen, was sie machen, was da rauskommt, wie sie es machen und so weiter.
00:59:28: Christian: Und ich möchte einfach einbringen, dass Kontrolle eine Illusion ist im Lernumfeld.
00:59:33: Christian: Weil Lernen immer, auch wenn die Leute zusammensitzen, natürlich im Individuum ja stattfindet.
00:59:39: Christian: Das eigentliche Lernen jetzt für das Individuum findet halt,
00:59:41: Christian: ist nicht sichtbar von außen. Natürlich kann man über Sprache dann versuchen,
00:59:45: Christian: ja, was hast du jetzt und so weiter, aber was gelernt wird, wie gelernt wird,
00:59:50: Christian: ist wie so eine Blackbox, das wissen wir auch aus der Lernforschung, klar,
00:59:53: Christian: Psychologische Pädagogik schaut da dann genau rein, aber im Lernmoment,
00:59:58: Christian: in Lernsituationen, gerade im Klassenraum, hat auch der Dozent das nicht im Griff.
01:00:03: Christian: Es kann sogar sein, dass sich 20 Gesichter ihn anschauen und trotzdem weiß er nicht,
01:00:09: Christian: ob fünf davon gerade an Fußball denken und fünf andere sich über seine Nasenhaare
01:00:16: Christian: vielleicht irgendwie nachdenken oder solche Dinge.
01:00:19: Christian: Nein, ich will einfach zeigen, das Kontrollthema, das hier da ist und das viele
01:00:23: Christian: Lehrpersonen auch sehen, wenn sie das Gefühl haben, jetzt habe ich ja die Klasse
01:00:26: Christian: hier, jetzt weiß ich, ich habe es mal gesagt, sie müssen es eigentlich wissen,
01:00:30: Christian: aber das bedingt halt noch nicht, dass dann wirklich auch Lernen stattgefunden hat.
01:00:33: Claudia: Es ist eine Illusion, glaube ich.
01:00:35: Christian: Genau, ist da eine Illusion und sich da auch davon zu lösen oder die Verantwortung
01:00:39: Christian: zurückzugeben, wie Daniel jetzt schon gut erklärt hat und die Studierenden auch dazu zu befähigen.
01:00:45: Christian: Das finde ich eigentlich sehr erwachsenengerecht und auch fortschrittlich.
01:00:49: Christian: Wie es Daniel gesagt hat.
01:00:50: Christian: Gerade im Arbeitskontext, wo ja eben diese Kontrolle auch nicht ständig da ist,
01:00:53: Christian: um sie auch da vorzubereiten.
01:00:56: Claudia: Das ist ein guter Schritt in die berufliche Zukunftsrichtung, würde ich sagen.
01:01:00: Claudia: Also ein wichtiger Schritt, den ihr auf der Metaebene, Daniel,
01:01:03: Claudia: einfach mit bedient. Also dieses Befähigen für die Zukunft der eigenen Arbeitswelt,
01:01:08: Claudia: das finde ich einen sehr guten und wichtigen Ansatz tatsächlich.
01:01:13: Claudia: Fragt ihr denn auch selber, es interessiert mich jetzt einfach,
01:01:15: Claudia: fragt ihr denn auch die Studierenden, was sie über ihr Lernen gelernt haben?
01:01:19: Claudia: Gehört das mit dazu oder ist es eher, dass ihr die Ergebnisse sprechen lasst sozusagen?
01:01:25: Daniel: Institutionalisiert holen wir wirklich die Feedbacks ab zur Qualität des
01:01:29: Daniel: Unterrichts, zur Qualität der Unterlagen.
01:01:33: Daniel: So eine Selbstreflexion haben wir nicht jetzt in einem Fragebogen irgendwo wirklich
01:01:38: Daniel: institutionalisiert, dass wir das abholen könnten.
01:01:41: Daniel: Aber es wäre eine gute Frage, die ich mir sicher so notiere,
01:01:45: Daniel: um dann auch nachzugehen.
01:01:47: Claudia: Ja, das ist so ein Gedanke, den ich jetzt hatte, tatsächlich.
01:01:50: Claudia: Entschuldigung, ich habe dich unterbrochen, Daniel.
01:01:52: Daniel: Ja, ich wollte noch einen Punkt ergänzen. Auch in der Rolle der Lehrperson sehen
01:01:57: Daniel: wir natürlich mit der Einführung von digitalen Lernmethoden eine Veränderung.
01:02:03: Daniel: Der Lehrer, der klassische, der sieht sich irgendwo immer im Zentrum der Wissensvermittlung
01:02:09: Daniel: und dieses didaktische Dreieck von Thema, Student und Lehrperson,
01:02:13: Daniel: das verändert sich natürlich auch.
01:02:16: Daniel: Und ich denke, mit dem Loslassen der Kontrolle der vermeintlichen verändert
01:02:22: Daniel: sich dann auch die Rolle der Lehrperson,
01:02:24: Daniel: dass sie dann eben nicht mehr sich als einzige wahrhaftige Instanz sieht in
01:02:29: Daniel: der Vermittlung von Wissen, sondern das Wissen, das wird andersweitig transferiert.
01:02:33: Daniel: Und der Student muss dann eher begleitet werden in diesem Lernprozess.
01:02:37: Daniel: Und das ist, denke ich, auch eine wichtige Erkenntnis in solchen Transformationen,
01:02:42: Daniel: dass da die Lehrpersonen eben auch einen Change durchmachen müssen,
01:02:45: Daniel: dass sie sich eben auch dazu bereit erklären müssen.
01:02:50: Daniel: Und da haben wir auch mit einigen Lehrpersonen Diskussionen führen müssen,
01:02:55: Daniel: die da eben vielleicht diese Bereitschaft nicht aufbringen können oder wollen,
01:02:59: Daniel: und so dann auch nicht mehr in dieses Lernsetting passen.
01:03:03: Claudia: Okay, aber das verstehe ich, dass das natürlich eine Herausforderung ist,
01:03:07: Claudia: dieses ich unterrichte Stoff, ich bin die Wissensquelle und ich werde zum Lernbegleiter.
01:03:13: Claudia: Das ist ja eine ganz andere Rolle sozusagen, die jemand wahrnehmen muss und
01:03:18: Claudia: ausfüllen muss, der in so einem Lernsetting dann funktioniert.
01:03:22: Claudia: Eben zum Beispiel mit den Fragen und Feedbacks arbeitet, die die Studierenden
01:03:28: Claudia: sich selber generiert haben über die Selbstlernphasen zum Beispiel und über das Selbststudium.
01:03:33: Claudia: Und das ist eine Rollenveränderung. Und das heißt, da muss wahrscheinlich der
01:03:37: Claudia: ein oder andere sich damit auch auseinandersetzen.
01:03:40: Claudia: Das ist mir schon absolut nachvollziehbar.
01:03:42: Daniel: Und wir dürfen nicht vergessen, als höhere Fachschule sind wir auf Lehrpersonen
01:03:49: Daniel: aus der Praxis angewiesen.
01:03:50: Daniel: Also das sind nicht geschulte Didaktiker von der Pike auf, sondern die sind
01:03:55: Daniel: Fachleute in ihren Themen und die kriegen dann bei uns ein didaktisches Rüstzeug mit,
01:04:01: Daniel: aber das ist nicht die Tiefe, die ein Dozent mitbringt, der eben auch in Didaktik/Pädagogik
01:04:08: Daniel: Ausbildungen schon vorweisen kann.
01:04:10: Daniel: Also das ist wirklich auch eine Gratwanderung auch und wir versuchen da diese Lehrpersonen
01:04:15: Daniel: auf diesem Weg auch zu unterstützen und ihnen auch mit anderen Gefäßen in offenen
01:04:20: Daniel: Weiterbildungen das eine oder
01:04:22: Daniel: andere mitgeben zu können, das sie verwenden können für ihren Unterricht.
01:04:26: Daniel: Das ist, wie gesagt, sehr wichtig auch auf dieser Transformationsetappe,
01:04:33: Daniel: die wir da miteinander gehen.
01:04:35: Claudia: Okay. Gut, also ich glaube, ich habe eine ganze Menge Learnings rausgehört aus
01:04:40: Claudia: dem, was ihr mit mir geteilt habt.
01:04:42: Claudia: Habt ihr noch was, wo ihr sagt, das gehört unbedingt noch mit dazu?
01:04:47: Christian: Ich möchte einfach nochmal herausheben, dass dieses Projekt,
01:04:50: Christian: das für uns ist, für tts seit zwei Jahren läuft, für die sfb selber schon ein
01:04:54: Christian: bisschen länger und für Daniel ist seit einem Jahr.
01:04:58: Christian: Dass das einfach toll war von der
01:05:02: Christian: Zusammenarbeit her, jetzt in alle Richtungen.
01:05:05: Christian: Natürlich gab es auch mal Konflikte, das ist normal, weil verschiedene Interessen
01:05:09: Christian: und Perspektiven aufeinandertreffen und es auch darum geht, das auszuhandeln.
01:05:14: Christian: Aber gerade dieser Wert darauf,
01:05:18: Christian: von beiden Seiten von tts wie auch von der sfb dieses Projekt konstruktiv und
01:05:24: Christian: pragmatisch vorwärts zu bringen, hat mega geholfen, dass wir einfach immer Lösungen
01:05:30: Christian: gefunden haben für all die Probleme, die aufgetaucht sind.
01:05:33: Christian: Weil das wirklich nichts ist, was man einfach am Anfang einen Plan hat und den
01:05:37: Christian: man sich vornehmen kann.
01:05:38: Christian: Und dann läuft man los und dann klappt alles und dann erreicht man sein Ziel,
01:05:42: Christian: wie es vorgesehen ist, sondern da kommen dann plötzlich Fragen auf und Widerstände
01:05:46: Christian: und Hindernisse und neue Lösungen.
01:05:49: Christian: Plötzlich etwas, was schwierig schien am Anfang, klappt super.
01:05:52: Christian: Und etwas, was einfach schien, hat plötzlich Hindernisse, die sich im Weg tun.
01:05:57: Christian: Und das schätze ich unglaublich an diesem Projekt, diese super Zusammenarbeit,
01:06:01: Christian: diese Dialogbereitschaft, auf beiden Seiten, dieses Arbeiten auf Augenhöhe,
01:06:05: Christian: auch das Ernstnehmen von uns, einfach um das noch jetzt mal als Spezialthema
01:06:10: Christian: auszuklammern oder zu beleuchten,
01:06:12: Christian: das Ernstnehmen von uns ist nicht nur als Produzenten von E-Learning,
01:06:15: Christian: sondern wir beraten dann wirklich auch didaktisch, auch makrodidaktisch,
01:06:20: Christian: also auch für die Organisation.
01:06:21: Christian: Wo sind da Stellschrauben, die ihnen helfen können.
01:06:24: Christian: Wir beraten, die sfb entscheiden natürlich selber, was sie dann macht,
01:06:27: Christian: aber wir werden angehört und das wird ernst genommen, was wir reinbringen.
01:06:32: Christian: Das fand ich wirklich toll und immer noch freue mich auf weitere tolle Zusammenarbeit.
01:06:38: Christian: Nicht wahr, Daniel? Wie siehst du das?
01:06:41: Daniel: Vielen Dank, Christian, für deine Worte. Ich bin ja auch in diese Rolle,
01:06:46: Daniel: reingekommen und habe enorm auch profitiert von euch, von eurer Expertise und
01:06:51: Daniel: dadurch, dass ihr das Projekt schon vor mir auch begleitet habt,
01:06:54: Daniel: habt ihr mir da eine Menge auch mitgeben können, die mir geholfen hat,
01:06:58: Daniel: mich zu orientieren und wir sind, wie gesagt, in einem sehr engen Austausch,
01:07:02: Daniel: also wir sind wöchentlich in Kontakt und wenn es nötig ist auch
01:07:05: Daniel: zusätzlich noch mit Austausch.
01:07:09: Daniel: Und ich weiss, die Fachautoren, die Inhalte liefern, die sind in guten Händen
01:07:14: Daniel: dann, wenn es um die Umsetzung geht, bei den Medienautoren vom Team von Christian und von Corinna.
01:07:20: Daniel: Und das ist eine sehr wertvolle Erfahrung auch. Ich gebe da meine loben Worte
01:07:25: Daniel: sehr gerne auch so zurück.
01:07:27: Claudia: Es ist sehr schön, euch beiden zuzuhören. Und es freut mich,
01:07:30: Claudia: dass ihr beide so ein großes Lächeln gerade auf dem Gesicht habt.
01:07:32: Claudia: Zumindest ich kann euch ja sehen jetzt in diesem Podcast-Recording.
01:07:36: Claudia: Ich glaube, es ist jetzt ein guter Punkt, uns vielleicht so langsam in Richtung
01:07:41: Claudia: Ende unserer Episode zu bewegen.
01:07:43: Claudia: Aber vielleicht noch mal geschaut oder gefragt, wie geht es denn jetzt weiter?
01:07:47: Claudia: Also wir haben jetzt ganz viel gehört über das, wie ihr gearbeitet habt,
01:07:51: Claudia: was ihr gearbeitet habt, über Herausforderungen, über Learnings haben wir was
01:07:55: Claudia: gehört, über Schritte auf dem Weg, ganz viel und jetzt ist meine Frage natürlich,
01:08:00: Claudia: ja, gut, und wie geht es jetzt weiter?
01:08:03: Daniel: Ich habe gesagt, die SFP ist eine Schule, die Wirtschaft und auch Technologie vermittelt.
01:08:12: Daniel: Und der Hauptfokus bis jetzt war vor allem in den wirtschaftlich orientierten Fächern.
01:08:16: Daniel: Das sind so die grossen Zugpferde auch unserer Schule mit sehr vielen Klassen.
01:08:21: Daniel: Und jetzt geht es in den nächsten Semestern darum, auch die kleineren Lehrgänge,
01:08:26: Daniel: beispielsweise Maschinenbau oder Gebäudeautomatik, dass wir die auch zunehmend
01:08:32: Daniel: digitalisieren wollen.
01:08:34: Daniel: Da werden wir weiterhin auch auf die Zusammenarbeit mit der tts setzen und dort
01:08:38: Daniel: auch Wege finden, wie können wir in diesem Setting auch wieder das Optimum herausholen.
01:08:43: Daniel: Das Setting ist insofern anders, als wir hier eben nicht über ein grosses Heer
01:08:48: Daniel: von potenziellen Fachautoren verfügen, sondern es gibt einige wenige Lehrpersonen,
01:08:53: Daniel: die da wirklich zum Teil in der ganzen Schweiz unterwegs sind mit ihrem Fachwissen an der Schule.
01:08:57: Daniel: Und ob wir die dann noch zusätzlich binden können mit Fachautorenaufträgen, muss sich erst weisen.
01:09:04: Daniel: Vielleicht müssen wir dort andere Wege beschreiten. Vielleicht müssen wir dort
01:09:06: Daniel: auch das Konzept uns neu überlegen, um da die digitalen Lernmittel wirklich
01:09:14: Daniel: auch aufbereiten zu können.
01:09:15: Daniel: Also das wird eine nächste spannende Etappe, die wir da gemeinsam angehen wollen.
01:09:20: Daniel: Gleichzeitig aber auch von den Erfahrungen profitieren, Ja, profitieren,
01:09:23: Daniel: die wir zunehmend auch gewinnen können von den Studenten, von den Studentinnen, von den Lehrpersonen.
01:09:30: Daniel: Da wirklich den Weg auch fortzusetzen in der Verstärkung auch der Selbstlernen
01:09:34: Daniel: und der Medienkompetenz bei den Studenten, aber eben auch im sich verändernden
01:09:39: Daniel: Rollenverständnis der Lehrpersonen.
01:09:42: Claudia: Sehr gut. Das klingt nach einem guten Plan für die Zukunft.
01:09:48: Claudia: Christian, was magst du noch hinzufügen?
01:09:53: Christian: Ich kann mich da nur anschließen, dass ein großer Teil dieses Projektes umgesetzt ist,
01:09:59: Christian: aber natürlich läuft das weiter im Sinn von, dass man jetzt vielleicht auch
01:10:04: Christian: mal überlegt, wie man das selbst dann auch anders gestalten kann als mit diesen
01:10:08: Christian: Produktionen, die wir bis jetzt gemacht haben und wir da auch unterstützen,
01:10:12: Christian: beraterisch, didaktisch beraten oder mit Ideen.
01:10:15: Christian: Ich meine, auch wir machen ja bei tts für Anerkunden nicht nur diese E-Learnings,
01:10:19: Christian: sondern auch andere Formate.
01:10:21: Christian: Und ganz ehrlich, es gibt dann immer wieder zu tun, sei es auf technischer Seite,
01:10:27: Christian: sei es, dass man in drei, vier Jahren mal wieder eine Einheit anfassen muss,
01:10:31: Christian: weil sie einfach überholt ist oder Inhalte sich geändert haben.
01:10:35: Christian: Also da werden wir dranbleiben und wir haben jetzt so eine vertrauensvolle,
01:10:39: Christian: gut eingespielte Zusammenarbeit.
01:10:41: Christian: Das, was auch immer kommt, wir regeln das schon.
01:10:45: Claudia: Sehr schön.
01:10:47: Claudia: Das klingt eigentlich nach einem
01:10:49: Claudia: total schönen Schlusswort. Ihr regelt das schon, finde ich sehr schön.
01:10:53: Claudia: Finde ich auch eine sehr gute Prämisse für Zusammenarbeit.
01:10:59: Claudia: Ich wollte euch eigentlich jetzt nach so einem Schlusswort fragen,
01:11:02: Claudia: aber eigentlich habe ich jetzt so ein ganz mega perfektes Schlusswort bekommen
01:11:05: Claudia: und ich glaube, wenn ihr einverstanden seid, dann würde ich das dabei auch bewenden
01:11:09: Claudia: lassen und hoffe einfach, dass unsere Zuhörenden,
01:11:14: Claudia: egal aus welcher Branche, mit welchem Interesse sie sozusagen der heutigen Episode
01:11:19: Claudia: gelauscht haben, eine ganze Menge Anregungen bekommen konnten, wie eben so klassische,
01:11:27: Claudia: traditionelle Präsenzlernangebote, die es in vielen Kontexten immer noch gibt
01:11:31: Claudia: und die teilweise auch außerhalb der Hochschule, auch in unseren.
01:11:36: Claudia: Unternehmen, Organisationen, in denen ich sehr viel meine, das bestmögliche
01:11:40: Claudia: Lernangebot für die Lernenden ist und insofern hoffe ich dass jeder, der zugehört hat,
01:11:46: Claudia: hoffentlich ein paar Ideen und Inspirationen bekommen hat und vielleicht ja
01:11:49: Claudia: auch tatsächlich in eurem Kontext, Daniel, vielleicht war das auch inspirierend
01:11:53: Claudia: für andere Ausbildungsorte,
01:11:57: Claudia: Hochschulen, Fachschulen, die was Ähnliches tun wie ihr und die vielleicht daraus
01:12:02: Claudia: auch Ideen und Inspirationen ziehen konnten aus unserem heutigen Gespräch.
01:12:07: Claudia: Und insofern danke ich euch sehr für eure Zeit, ihr zwei,
01:12:10: Claudia: dass ihr heute ein bisschen sprechdenkend eure gemeinsame Zusammenarbeit im
01:12:17: Claudia: Kontext der sfb und dem Blended Learning Projekt oder der Umstellung auf Blended
01:12:23: Claudia: Learning reflektiert habt und eure Gedanken dazu einfach geteilt habt.
01:12:27: Claudia: Und ich sage nochmal herzlichen Dank, dass ihr da wart.
01:12:30: Claudia: Danke für eure Ideen und danke fürs Teilen davon.
01:12:34: Christian: Danke dir, liebe Claudia. Und danke auch dir, Daniel. Hat mir Spaß gemacht,
01:12:37: Christian: diesen Dialog. Und ich finde es cool, wenn wir wieder mal sprechen würden.
01:12:42: Daniel: Vielen Dank auch für die Möglichkeit heute.
01:12:45: Claudia: Ja, super. Sehr gerne. Ich freue mich, dass ihr da wart. Und ihr da draußen,
01:12:48: Claudia: danke fürs Zuhören. Und schön, dass ihr wieder mit dabei wart.
01:12:52: Claudia: Und gebt uns gerne Feedback, wie immer. Wir freuen uns.
01:12:56: Claudia: Und vor allen Dingen meine beiden Gesprächspartner werden sich freuen über Feedback.
01:13:00: Claudia: Also schreibt uns auf welchem Kanal auch immer und ansonsten bis bald und bis
01:13:06: Claudia: zur nächsten LERNLUST. Macht's gut.
01:13:08: Christian: Ciao, ciao.
01:13:10: Daniel: Tschüss.
01:13:17: Outrotext: Ach, übrigens, habt ihr uns eigentlich schon abonniert?
01:13:21: Outrotext: Das geht überall da, wo ihr eure Podcasts am liebsten hört. Wir,
01:13:27: Outrotext: die Hosts des Podcasts Susanne und Claudia, wir sind natürlich auf LinkedIn,
01:13:33: Outrotext: auf Twitter oder auch auf Mastodon erreichbar.
01:13:35: Outrotext: Und wenn ihr lieber mit unserem Podcast selber interagiert, das geht auf Mastodon direkt.
01:13:42: Outrotext: Und natürlich könnt ihr uns euer Feedback, eure Anregungen, euer Lob und eure
01:13:48: Outrotext: Verbesserungsvorschläge auch direkt auf Podigy schreiben.
01:13:52: Outrotext: Also, wir hören uns in der nächsten Langlust.
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