LERNLUST #70 // Vom Konzept zur Plattform: Wie gutes Blended Learning technisch Wirklichkeit wird.
Shownotes
Die Gäste dieser Folge:
Nicolas Kaufmann www.linkedin.com/in/nicolas-kaufmann-a807587a/
Corinna Blersch www.linkedin.com/in/corinna-blersch-442073180/
Die Podcast Host dieser Folge:
Claudia Schütze www.linkedin.com/in/claudiaschuetze/
Erwähnte Links zum Thema:
Erste Episode zur Einführung von Blended Learning bei der sfb: LERNLUST #68 // Lernwelten entwickeln: Wie Blended Learning an einer Hochschule gelingt.
Transkript anzeigen
Intro:
[0:02] Lernlust, der Podcast für alles rund ums Thema Corporate Learning. Wir sind Susanne Dube und Claudia Schütze und wir sind Learning Consultants bei der TTS. Schön, dass du heute dabei bist.
Claudia:
[0:24] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Lernmust-Podcasts. Und wir sind heute zu dritt. Das heißt, ich habe heute Corinna Blersch, meine Kollegin, zu Gast. Und ich habe Nicolas Kaufmann da von der sfb Höhere Fachschule für Technologie und Management in der Schweiz. Und mit der sfb haben wir die letzte Episode im letzten Jahr aufgenommen und haben dort damals gesprochen über die Einführung eines Blinded Learning Konzeptes an einer Hochschule. Da wollen wir heute anknüpfen. Und bevor ich das gleich tue, ihr zwei, sage ich erst mal ganz herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid, Beide. Herzlich willkommen, Corinna.
Corinna:
[1:08] Hallo.
Claudia:
[1:09] Herzlich willkommen, Nicolas.
Nicolas:
[1:11] Hallo, Dankeschön für die Einladung.
Claudia:
[1:13] Sehr gerne. Ich freue mich, dass ihr da seid. Ich freue mich auch total auf unser Gespräch. Und bevor wir das gleich richtig starten, würde ich euch sehr gerne kurz vorstellen.
Claudia:
[1:23] Und Ladies first, Corinna, ich fange mal dir an. Du bist seit zwei Jahren meine Kollegin bei der TTS und hast einen starken Fokus auf mediendidaktische Themen und auf die Konzeption und Umsetzung von E-Learnings und WBTs. Und das ist ein roter Faden, der sich bei dir durch deine gesamte Berufstätigkeit schon durchzieht. Und du bist sonst bei uns Projektleiter, Projektmanager und arbeitest als Beraterin. Ich hoffe, du findest dich darin wieder.
Corinna:
[1:53] Ja, danke Claudia.
Claudia:
[1:55] Super. So, dann Nicolas Kaufmann von der sfb. Nicolas, du bist Leiter der IT- und Geschäftsleitungsmitglied bei der sfb Höhere Fachschule für Technologie und Management in der Schweiz. Du sagst über dich, du bist Transformator und Digitalisierer mit über 20 Jahren Erfahrung in IT, Technologie und Digital. Und dein Motto hast du mir auch noch mitgegeben und das lautet Technologie mit Herz, Hirn und Feuer. Dazu, Nicolas, findest du dich darin wieder?
Nicolas:
[2:29] Ja, ich finde mich darin wieder. Super, danke dir.
Claudia:
[2:31] Sehr schön. So, und jetzt habt ihr, die ihr uns zugehört habt,
Claudia:
[2:35] glaube ich, ein Wort relativ häufig schon gehört und das war Technologie. Das heißt, das, was wir heute in unserer Episode, Lernlust-Episode, etwas näher beleuchten wollen, zu der Einführung dieses Blended Learning Konzeptes an der sfb, ist, nachdem wir gesprochen haben über die Erstellung der Selbstlerneinheiten und die Befähigung der Lernenden und Lehrpersonen,
Claudia:
[3:00] wie wurde das dann am Ende aus technischer Sicht umgesetzt? Und wir wollen uns einen, würde ich sagen, sehr pragmatischen Ansatz anschauen und Nicolas wird uns dazu mehr erzählen. Und damit, glaube ich, haben wir zumindest das so heute auf die Episode ein bisschen ausgerichtet. Also keine Angst vor Technologie, hat Nicolas gesagt, könnte ein gutes Stichwort für die heutige Episode sein.
Claudia:
[3:27] Und dann würde ich sagen, starten wir mal damit. Und vielleicht mit der Frage, was war denn jetzt an dieser Erstellung der Selbstlerneinheiten, die ihr als eine Säule eures Blended Learning Konzeptes eben nutzt, so besonders für euch? Nicolas, magst du mal starten?
Nicolas:
[3:43] Ja, ich sage gern was dazu, übergebe dann aber auch gern an Corinna, weil sie dann im Endeffekt auch stark in der Entwicklung involviert war, auch in unserer Entwicklungsabteilung involviert war. Ich möchte mich da nicht mit fremden Federn schmücken. Aber ich glaube, das Besondere ist, spreche ich jetzt im Namen der sfb, ist wirklich, wir haben diese Selbsternanhalten selbst produziert. Es gibt vereinzeltes Feedback, wo es dann heißt, ja, jetzt habt ihr ja Kosten gespart, ihr habt das ja alles eingekauft oder mit KI generiert. Nein. Haben wir nicht.
Claudia:
[4:14] Klar ist nein.
Nicolas:
[4:14] Und da gehe ich gerne. Das ist, glaube ich, auch das Besondere. Das kannst du bestimmt mehr dazu ersagen, Corinna.
Corinna:
[4:20] Ja, genau. Genau, das ist das Besondere. Also selber produziert, also zusammen mit TTS, mit uns. Also da komme ich dann auch mit ins Spiel.
Corinna:
[4:28] Die sfb hat mit Fachautoren auserwählt. Und das haben wir ja schon in der letzten Podcast-Folge gehört. Also unsere Zusammenarbeit war mit den ausgegewählten Fachautorinnen. Und die Fachautorinnen haben uns die Inhalte quasi gestellt. Und wir haben dann uns zusammen angeguckt, okay, wie kann der Content so abgebildet werden, damit die Lernenden optimal lernen und dass auch etwas entsteht, wo das Lernvermögen oder der Impact dann so groß wie möglich ist. Und die didaktische Ausarbeitung haben wir zusammen gemacht. Teilweise haben die Fachautoren das auch ganz selbstständig gemacht. Also tatsächlich waren da einige fitter, manche haben ein bisschen Unterstützung gebraucht und haben dann ein Konzept erstellt. Und nachdem das Konzept erstellt worden ist, ging das dann an uns, an TTS und wir haben das Ganze dann produziert mittels eines Autorentools. Und das Autoren-Tool ist Articulate Rise, gehört zu der Articulate-Familie. Und das Besondere an diesem Tool ist eben, dass man da schnell und ohne große Programmierkenntnis responsive E-Learning-Lösungen herstellen kann. Das Stichwort schnell war für die sfb ganz besonders relevant, denn wir hatten einen Haufen zu produzieren. Also wir mussten tatsächlich, es sind jetzt glaube ich mittlerweile 80, 90 Selbstlein-Einheiten, die wir zusammen produziert haben. Und ja, genau, das würde ich sagen, ist das Besondere. Die Zusammenarbeit mit den Fachautoren, wirklich die Lieferung des Contents von den Fachautoren.
Claudia:
[5:50] Okay, super. Also Nicolas, jetzt zahlt nochmal auf deine Formulierung ein. Wir haben das selber produziert. Richtig. So, und jetzt habt ihr selber produziert. Sehr schön, jetzt sind diese Selbstlern-Einheiten als eine Säule eures Blended Learning Konzeptes da.
Claudia:
[6:05] Aber jetzt müssen die ja irgendwie zu den Lernenden kommen. Vielleicht auch zu den Lehrpersonen kommen, aber erstmal eben auch zu den Lernenden kommen. Wie macht ihr das denn? Was habt ihr euch überlegt? Was habt ihr konzipiert?
Nicolas:
[6:20] Das war im Endeffekt der Punkt, in dem ich ins Projekt eingestiegen bin. Das war eine sehr bewusste Entscheidung von meinen Kolleginnen und Kollegen von der Geschäftsleitung, sich Technologie-Know-how in die Geschäftsleitung reinzuholen, weil es eben vorher schon einen Versuch gab, das umzusetzen. Und der hat nicht ganz so wie gewollt funktioniert. Ich drücke das jetzt mal so aus. Und es war klar, wir brauchen Technologie, um natürlich digitale Inhalte nachher effizient bei unseren Teilnehmenden auch zu verankern, ihnen zu erlauben, wirklich effizient zu lernen mit den Inhalten. Und da war eben die Frage, wie machen wir das und der erste Versuch wurde komplett auf Basis von einer einzigen Softwarelösung versucht und das war eigentlich so ein bisschen meine Hypothese, mit der ich eingestiegen bin, das ist, Zwar, was das Thema Schnelligkeit angeht, vielleicht ein ganz klein wenig schneller am Anfang. Das ist zumindest meine Erfahrung. Meistens feuert es dann aber später ganz schnell zurück.
Claudia:
[7:20] Okay. Genau.
Nicolas:
[7:21] Und darum ging es hier darum, wirklich eine Plattform aufzubauen. Das heißt, eine Verknüpfung von verschiedenen Tools, die, das nennt man dann eine Best-of-Breed-Architektur-Fachjargon, wo man sich darauf fokussiert, auf das, was das Tool am besten kann. Viele Tools können ja ganz, ganz viel. Alles so ein bisschen. Und wir fokussieren uns wirklich drauf, wir versuchen Tools rauszusuchen, die in einer Sache besonders gut sind. Und dann, wenn sie Sachen auch so okay können, dann kommt es darauf an, wie wichtig es ist, ob wir es benutzen oder eben mit einem anderen Tool besser abbilden.
Claudia:
[7:52] Okay, verstehe. Also ihr habt euch sozusagen einen Mix von Tools ausgesucht und den benutzt ihr, um diese Selbstlerneinheiten zu den Lernenden zu bringen.
Nicolas:
[8:02] Genau, richtig.
Claudia:
[8:03] Okay.
Nicolas:
[8:03] Vielleicht ganz konkret, wir haben uns tatsächlich entschieden, vorher hatten wir ein separates Extranet, mit dem wir Dokumente verteilt haben, wir Termine einsehbar hatten, da haben wir uns wirklich entschieden, nein, wir nehmen jetzt Microsoft Teams als User-Frontend, also das ist das, was der Studierende der Teilnehmenden sieht bei uns und das ist wahrscheinlich schon ein Unterschied zu anderen Lösungen, weil hier geht es um Kommunikation. Und Teams kann genau das sehr, sehr gut. Information vermitteln, kommunizieren. Wenn es jetzt aber darum geht, Noten einzugeben oder Präsenzen zu erfassen, ist das vielleicht nicht ganz das richtige Tool. Und dann haben wir uns da überlegt, wie können wir diese Funktion dann so herstellen, dass es möglichst aus einem Guss wirkt.
Claudia:
[8:44] Okay, also das heißt, ihr habt kombiniert das Beste, was es gab. Corinna, magst du dazu noch was ergänzen? Gibt es aus deiner Sicht noch was hinzuzufügen?
Corinna:
[8:55] Also... Also unterschiedliche Tools, unterschiedliche Lösungen. Da kommt mir natürlich gleich mein Bereich wieder in den Sinn. Ich war jetzt nicht für die Programmierung von der Campus-Lösung zuständig. Nein, gar nicht. Ich hatte einen Tool-Bereich und das habe ich ja gerade schon angesprochen. Das war unser Articulate Rise. Aber natürlich braucht Articulate Ries noch einen Raum, wo dann die Inhalte auch zu sehen sind. Und dieser Raum haben wir mit einem LMS quasi zur Verfügung gestellt. Und dieses LMS, das wir da nutzen, das dann auch in Microsoft Teams eben angebunden ist, ist Moodle oder war Moodle. Und da kam dann plötzlich ein zweiter Zuständigkeitsbereich auf mich zu. Und da waren es schon zwei. Und das war dann auch damit der optimale Startschuss für die Zusammenarbeit mit Nicolas, weil ich hatte tatsächlich davor mit Nicolas noch gar nicht so viel zu tun. Also ich war tatsächlich eher fokussiert auf meine Factory mit meinen Kolleginnen und mit der Entwicklung von der sfb. Ich konnte mir dann noch nicht so richtig viel vorstellen, wie es dann letztendlich aussieht mit der Integration von den Selbstlerneinheiten. Aber ab diesem Zeitpunkt, als klar war, okay, Moodle ist das LMS, hatte ich dann mit Nicolas zu tun und das war super interessant, dann wirklich auch zu sehen in den Jour Fixen gemeinsam mit ihm zusammen und mit den Entwicklern, wie das letztendlich dann später, wie die Gesamtlösung aussieht und da hatte ich optimalen Einblick.
Claudia:
[10:11] Okay. Wir haben im Vorgenspräch ein bisschen auch gedacht, ob wir reden wollen
Claudia:
[10:16] über Vor- und Nachteile dieser LMS-Lösung.
Corinna:
[10:19] Ja, also Vorteil natürlich, es hat sich ganz gut integrieren lassen. Es hat alles Vor- und Nachteile. Wir sind mit Moodle tatsächlich darauf gestoßen, dass es sich vielleicht nicht so nahtlos in Microsoft Teams und ohne Probleme integrieren lässt. Aber ein Vorteil war eben, dass es dann schon ein offenes System ist, dass es relativ leicht zu nutzen ist und eben mit der SCORM-Lösung, also mit den exportierten SCORM-Lateien von Articulate Rise, ganz gut funktioniert. Ist auch im Hochschulbereich tatsächlich ein LMS, auf das man immer wieder zurückgreift, weil es Open Space ist.
Nicolas:
[10:50] Was da aber vielleicht ganz besonders ist, wir verwenden wirklich Moodle nur noch isoliert, um die Selbstlernanheiten auszuspielen und die Ergebnisse auszuwerten. Alles drumherum, Dokumentenverteilung, Chat, Kommunikation, haben wir tatsächlich abgestellt, ausgeblendet, also quasi haben wir das System sehr stark beschnitten. Kam auch wirklich dazu, wir hatten mit Moodle schon ein bisschen Erfahrung in-house, deswegen haben wir uns auch dafür entschieden, wir hatten die Instanz auch schon haben uns dann aber wirklich auf den Kernbereich Selbstdenanheiten beschränkt und den Rest mit anderen Lösungen abgedeckt.
Claudia:
[11:28] Okay, jetzt habt ihr schon so ein bisschen über diese Ergebnisse gesprochen, über das, also die Entscheidungen, die ihr getroffen habt und was da am Ende dann eben für die Arbeit mit diesen Selbstleinheiten zur Verfügung steht. Davor gab es ja erstmal den Start eures Projektes und darüber hattest du,
Claudia:
[11:45] Nicolas, ja eben auch schon so ein bisschen gesprochen. Also der Weg zum Ziel und da wollen wir gerne nochmal ein bisschen hingucken, weil ich glaube, da gibt es Spannendes auch für unsere Hörerinnen und Hörer
Claudia:
[11:54] mitzunehmen. Was waren denn so eure Projektherausforderungen und wie seid ihr gestartet?
Nicolas:
[12:01] Also eben mit der Legacy von vorher. Also für mich ist es einfach zu sagen, weil ich habe die nicht mitbekommen und bin erst dann eingestiegen. Aber wir haben das im Projekt gespürt, Corinna. Da war dann Misstrauen da bei uns an einigen Stakeholdern.
Claudia:
[12:18] Inwiefern? Magst du dazu zwei Sätze sagen?
Nicolas:
[12:21] Jetzt probieren sie es nochmal. Es hat schon beim ersten Mal nicht so richtig funktioniert. Und ob das jetzt was wird und jetzt mal aber schnell bitte. Ich habe es jetzt überspitzt formuliert, aber es war ein ganz klarer Druck da, relativ schnell zu zeigen, dass wir jetzt was Vernünftiges liefern, schnell Ergebnisse zu zeigen. Aber eben, das war die Herausforderung, eben mit der etwas komplexeren Architekturvariante, die halt eigentlich, also das muss man ganz fair sagen, es ist, wie ich vorhin schon gesagt, einfacher, einfach eine Software zu nehmen und dann mit den Vor- und Nachteilen zu leben, die halt alles irgendwie abdeckt. Da ist so eine Architektur, eine offene ist schwieriger. Man wird aber nachher belohnt. Aber da kommen wir später drauf bei den Erfolgsfaktoren.
Claudia:
[13:03] Okay. So, und wenn ihr jetzt gestartet seid, Du hast ein bisschen was von dir in der Herausforderung erzählt, übrigens nichts, was sich jetzt für mich sehr fremd anhört, wenn du sagst, okay, da gab es so Gedanken, die auch mit Vorerfahrungen zu tun hatten. Das ist was, was uns, glaube ich, in allen Projekten begegnet. Dann ist ja jetzt die Frage, okay, ihr seid gestartet und wie genau habt ihr
Claudia:
[13:24] jetzt euch an der Realisierung, wie seid ihr gestartet in die Realisierung, wie genau habt ihr das gemacht?
Nicolas:
[13:30] Also wir haben es tatsächlich in verschiedenen Streams. Ich würde jetzt nicht sagen Original, das wäre falsch, aber wir haben es agil aufgebaut. Wir hatten also parallel den didaktischen Teil im Lead in unserer Entwicklungsabteilung. Wir hatten den technischen Teil, der lag eben dann bei mir in der Abteilung im Lead. Und wir hatten da natürlich eine Brücke. Das ist auch ganz wichtig. Und das ist vielleicht der spezielle Teil. Die Brücke sitzt hier tatsächlich jetzt auch mit im Call.
Claudia:
[13:57] Ich finde es nicht.
Nicolas:
[13:58] Das war korrekt. Aufgrund dieser Doppelfunktion auch mit Moodle hat sich das angeboten, dass sie sowohl in den Entwicklungs- als auch in der Realisierung der Selbstlerneinheiten im didaktischen Teil mit dabei war. Und das war eine ganz ganz wichtige Schnittstellenfunktion. Natürlich haben wir uns intern abgestimmt, aber es war ja auch funktional wichtig.
Nicolas:
[14:20] Corinna, du hast genau an dem Produkt gearbeitet, was genau diese Brücke schlägt. Deswegen war es genau richtig. Und wir haben dann immer sehr, sehr schnell festgestellt, wenn wir irgendwo ein technisches Problem entdeckt haben beim Testing, was wiederum Folgen hat für den Aufbau der Selbstländerinheiten, dann ging das nahtlos.
Claudia:
[14:39] Okay, super. Also eure enge Zusammenarbeit war mit Sicherheit etwas, was auch Erfolg ermöglicht hat?
Nicolas:
[14:46] Da sind wir auch bei den Erfolgsfaktoren nachher wieder. Ja, aber ich denke, da ist oft, ich kenne das aus anderen Projekten, man hat einen externen Partner drin, natürlich die Stunden wird verrechnet, dann sitzt jemand nochmal in einem Abstimmungsmeeting. Wenn man sich das erstmal anguckt, könnte man sagen, okay, das ist Overhead, aber das sind dann, ich glaube, genau die Feinheiten, die dann auch den Erfolg am Ende ausmachen, dass man dann nicht zu viel auf Übereffizienz achtet, sage ich mal.
Claudia:
[15:12] Ja, würde ich glaube ich auch so sehen. Aber das war glaube ich noch nicht alles, was es zu sagen gibt zur Realisierung, Nicolas.
Nicolas:
[15:19] Nein, also neben der Doppelfunktion, was aus meiner Erfahrung unheimlich wichtig ist, dass auch wenn man das mit so Streams aufbaut, jedem bewusst ist, das ist jetzt kein einfach IT-Projekt oder kein Entwicklungsprojekt. Das ist ein Projekt, das die gesamte, in dem wir uns haben, die gesamte sfb realisiert. Deswegen auch vielleicht, Auch wenn es blöd klingt, aber es ist wichtig, dass das wirklich aus der Geschäftsleitung rauskommt. Die Lösungen können bottom-up kommen, aber das Projekt als Priorität zu verankern, entsprechend zu priorisieren, mit Budget auszustatten, mit Ressourcen auszustatten, das ist aus meiner Sicht eine Geschäftsleitungsaufgabe. Und da ist es halt zum Teil auch wirklich wichtig, dass Technologie-Know-how auch auf der Ebene vorhanden ist. Also das kann ich jetzt mit Sicherheit sagen, weil ich habe die Situation in meiner Karriere auch schon anders erlebt und auch schon andere Ergebnisse dann gesehen. Das ist für mich ein ganz klarer Erfolgsfaktor. Also ganz klar, es ist kein isoliertes Projekt.
Claudia:
[16:17] Okay.
Nicolas:
[16:19] Und bei der Realisierung tatsächlich... Ich glaube, das ist der Punkt, warum wir uns auch für ein Best-of-Breed-System entschieden haben. Wir wollten zu große Abhängigkeiten vermeiden. In dem Moment, wo ich mich für eine Lösung entscheide, bin ich dieser Lösung irgendwann ein Stück weit ausgeliefert. Ich habe da ganz viel Arbeit reingesteckt. Und wenn ich jetzt zum Beispiel sage, wunderbar, wir verwenden Moodle als Komplettsystem und irgendwann stelle ich fest, ich bräuchte aber auf der Collaboration-Ebene, ich bräuchte eigentlich Datei-Sharing, ich bräuchte, Vielleicht will ich eine KI-Lösung obendrauf bauen nachher mit einem rechten Konzept, was ich dafür brauche. Und dann stelle ich fest, oh, da ist das Moodle nicht so gut. Dann wird es meistens kompliziert, weil ich muss dann wieder das gesamte System aufs Mal ablösen. Und das ist der Vorteil von so einer Best-of-Breed-Architektur. Am Anfang mehr Aufwand zum Aufbauen. Sicher auch in der Pflege ein bisschen mehr Aufwand, obwohl ich sage, da kann man gegensteuern mit der richtigen Architektur. Der Vorteil kommt dann später, wenn ich mal eine Komponente auswechseln möchte. Und ich sage, wir sind jetzt in der wirklich schönen Lage, dass wir sagen, ich nehme jetzt das Beispiel, wenn wir in einem Jahr merken, Moodle generiert uns zu viel Overhead technisch. Wir brauchen da ein anderes Tool. Dann können wir dieses Tool isoliert auswechseln, ohne dass wir die gesamte, also wieder ein Riesenprojekt aufmachen müssen. Das ist dann schon ein größeres, aber eben eins, was sich handeln lässt.
Claudia:
[17:38] Okay. Das erscheint mir sehr nachvollziehbar tatsächlich.
Nicolas:
[17:42] Und der dritte Teil, der mir unheimlich wichtig ist, ist den gesamten Prozess, alle Stakeholder mitdenken. Man kommt ganz schnell in die Situation, dass man, was ja auch richtig ist, man ist kundenorientiert, man überlegt sich, wer arbeitet auf dem System, was sind meine User, was brauchen die. Aber so ein System muss auch betrieben werden. Und da rede ich jetzt nicht nur von der IT, sondern auch vor allem bei uns von der internen Administration. Ein Digitalisierungsprojekt, Transformationsprojekt wird nicht erfolgreich sein, wenn ich die Anforderungen in der Abteilung vergesse, die nachher ein Großteil vom Betrieb sicherstellen muss. Und da habe ich für gekämpft. Das war am Anfang eine Diskussion, aber das war dann relativ klar, dass wir sagen, hey nein. Mindestens 50 Prozent vom Budget geht in Automatisierung, Prozessoptimierung und vor allem wirklich in unserem Fall in der Automatisierungsplattform, die wir da von Anfang an mit oben drauf gepackt haben. Und das, obwohl wir uns für einen MVP-Ansatz entschieden haben. Aber da kommen wir, glaube ich, gleich noch drauf.
Claudia:
[18:43] Du hast jetzt schon einen schönen roten Teppich ausgerollt, aber vielleicht, ehe wir da noch ein bisschen weitergehen und ich glaube, dass es sehr, sehr spannend ist, über diesen MVP in eurem Ansatz, in eurem Vorgehen zu sprechen. Corinna, du hast bestimmt auch noch Sachen in Erinnerung, wie denn die Unterstützung war, die wir oder ihr geleistet habt auf dem Fall, genau in diesen Themen.
Corinna:
[19:06] Ja, gerne. Nicolas hat es auch schon vorher so ein bisschen angesprochen. Ich war sozusagen die Brücke. Das ist ganz nett. Ja, die Brücke zwischen IT und Factory. Ich muss ganz ehrlich sagen, am Anfang war es natürlich, musste man sich da auch einspielen. Ich wusste auch nicht ganz genau, was jetzt da auf mich zukommen wird, wenn ich in diesen Jour Fxen, in diesen Sprintplanungen mit den Entwicklern, die ja wirklich sehr technische Sprachen auch beherrschen, sage ich jetzt mal so.
Claudia:
[19:33] Erstmal Bahnhof. Das ist hier ein ganz großes Fragezeichen.
Corinna:
[19:36] Wo bin ich hier gelandet?
Claudia:
[19:37] Muss ich programmieren?
Corinna:
[19:39] Es war tatsächlich am Anfang sehr viel, aber total erfrischend und ich habe es auch ganz am Anfang angesprochen. Dadurch konnte ich genauer dann irgendwann erkennen, wie sieht eigentlich diese Gesamtlösung aus. Ich wurde sensibel auf verschiedene Dinge, die eben dann umgesetzt worden sind von der IT mit der Brille der Didaktik. Also da war quasi für mich die Aufgabe, die Herausforderung, dass ich eben diese Balance zwischen, okay, was ist pragmatisch, technisch umsetzbar und wie lässt sich das quasi mit der didaktischen Realisierung aus der Factory heraus unter einen Hut bekommen? Weil manchmal war es tatsächlich so, wir haben uns intim bei TTS Dinge überlegt, wie sie Sachen sehr schön und wirklich didaktisch wunderbar darstellen lassen, dann bin ich in diesem Show fix mit Nicolas und er hat dann gesagt, ja, es ist technisch gar nicht so umsetzbar. Und da irgendwie zu gucken, okay, was ist möglich überhaupt, war eine Herausforderung, aber da spielt man sich natürlich auch dann mit der Zeit rein. Und nicht nur jetzt, dass Nicolas gesagt hat, das ist nicht möglich, sondern es war einfach tatsächlich auch von ein paar Tools eben dann so nicht möglich. Ich erinnere mich an eine Situation kurz vor Semesterstart, wo wir halt in unseren Selbstlerneinheiten hatten wir schöne Blöcke.
Corinna:
[20:54] Eingeframed nochmal aus anderen Tools und haben dann quasi kurz vor Semesterstart beim Testen dann gemerkt, okay, die werden auf unsere Komplettlösung gerade gar nicht optimal angezeigt. Und das war dann tatsächlich sehr knapp von der Zeit her und das war auch das erste Mal, wo ich Nicolas jetzt nicht kurz, wo ich Nicolas kurz schlucken gesehen habe, wo er mal nicht so einen flotten Spruch auf den Lippen hatte, wo er wirklich ein bisschen schwimmen gekommen ist. Aber das haben wir alles zusammen dann hinbekommen und haben dann ein Workaround gefunden, weil wir ja doch da sehr agil und auch sehr fix waren.
Nicolas:
[21:26] Also nicht nur ein Workaround, wir haben es ja zweistufig sogar gemacht. Wir haben kurzfristig ein Workaround gefunden, damit wir diesen Release so haben machen können und es den Go-Live so haben machen können. Wir haben aber dann die Anforderungen, die wir daraus gesehen haben, Nämlich, dass wir da mehr Flexibilität brauchen, was die Blöcke angeht. Und für die, die sich vielleicht ein bisschen technisch auskennen, da ging es darum, dass eben Inhalte in einem Frame, also in einer eingebauten Variante, nochmal eingebaute Inhalte enthalten. Das hat auf gewissen technischen Systemen dann Probleme gemacht. Das haben wir beim Testen fest. Nicht überall, aber eben auf einigen.
Corinna:
[22:00] Mhm.
Nicolas:
[22:02] Das haben wir dann aber bei der Weiterentwicklung gerade berücksichtigt, weil wir dann nämlich nach diesem Release tatsächlich auch mit aufgrund dieser Erkenntnis das System dann wieder ein bisschen umgebaut haben, sodass das dann doch wieder funktioniert hat. Und da sieht man eben schön dieses Zusammenspiel. Wir haben einen Kompromiss gefunden gerade und es war das komplette Know-how, Didaktik, Technik war an einem Ort in einem kleinen Team und so konnten wir genau solche Lösungen eben finden, ohne dann den Terminplan zu gefährden.
Corinna:
[22:32] Genau.
Claudia:
[22:32] Lessons learned für das weitere Vorgehen zu sammeln. Also wenn ich jetzt zugehört habe, also aus dem, was ihr sozusagen als vielleicht nicht gewünschte, aber eben doch passierte Feedback-Schleife bekommen habt, zu sagen, okay, dann versuchen wir es anzupassen, aber wir nehmen auch was mit für die weiteren Schritte im Projekt und berücksichtigen das in Zukunft von vornherein.
Claudia:
[22:52] Ich glaube, die Sort-MVP fiel ab und zu schon mal. Genau, richtig. Jetzt müssen wir es einmal aussprechen. Ich glaube zwar, dass unsere Zuhörende das wahrscheinlich kennt, aber ich wollte noch mal sagen, ihr zwei, MVP steht für...
Nicolas:
[23:05] Minimal Viable Product.
Claudia:
[23:07] Genau. Also das heißt, man geht mit so einer minimal funktionierenden Lösung, getesteten Lösung sozusagen in eine produktive Umgebung und guckt, was die Learnings sind und passt notfalls wieder an. Habe ich das halbwegs richtig beschrieben, Nicolas?
Nicolas:
[23:23] Richtig, genau. Die Kunst dabei ist, das große Ganze schon im Blick zu haben, also zu wissen, wo man hin möchte. Dafür ist es eben auch wichtig, mit allen Stakeholdern zu reden und sich ein breites Bild zu holen, damit man weiß, wo man hin möchte.
Claudia:
[23:37] Ja, und du hast eben gesagt, alles Stakeholder. Entschuldigung, ich bin dir direkt gleich ins Wort gefallen.
Nicolas:
[23:43] Alles gut.
Claudia:
[23:43] Weil ich glaube, dass das in der Tat auch ein wichtiges Thema in eurer Arbeit war und in dem Aufsetzen dieser Lösung war.
Claudia:
[23:52] Nämlich, wer waren denn eigentlich so eure Beteiligten und auf wen musstet ihr eigentlich überhaupt hören, Rücksicht nehmen, Fragen, Entwicklungen gemeinsam besprechen? Nicolas, magst du uns mal so eine kleine Idee geben, wer da eigentlich alles so die Spielpartner waren?
Nicolas:
[24:08] Also natürlich selbstverständlich Hauptstakeholder sind in dem Fall unsere Teilnehmenden, Studierenden und unsere Lehrperson. Klar. Auf der anderen Seite aber natürlich, wie vorhin schon erwähnt, die Administration, die dieses System betreibt. Wir als IT, die ist nachher unser Support-Team, was das nachher betreut. Aber genauso natürlich, und ganz wichtig, die Entwicklungsabteilung, die ja didaktische Ziele hat und didaktisches Konzept entwickelt hat, was sich auf dieser Lösung umsetzen lassen muss. Dann haben wir natürlich, wir sind eine Stiftung, wir haben dann natürlich aus dem Bereich Stiftungsrat noch Stakeholder, die natürlich auch Interesse haben, dass es kostentechnisch nicht aus dem Ruder läuft. Also natürlich auch wir als Geschäftsleitung, aber unser Kontrollorgan legt da natürlich genauso Wert drauf.
Claudia:
[24:54] Ja, absolut.
Nicolas:
[24:55] Und es muss dann ja natürlich auch von den laufenden Kosten her nachher ein ROI erzielbar sein. Ich glaube, bei all diesem tatsächlich breit ausgehen und dann, da hilft aber auch eben wieder dieser MVP-Ansatz. Ich habe schon selbst ganz viele Projekte und da würde ich jetzt lügen, wenn ich sage, ich habe den Fehler auch noch nicht selber gemacht. Das gehört, glaube ich, dazu, dass man gerade bei digitalen Produkten, kommt man mal schnell in so einen Flow und dann baut man, wenn ich jetzt mal so an einen Hausbau denke, da können vielleicht die Zuhörer auch ab und zu mal noch ein bisschen mehr mitfühlen. Das ist wie wenn ich das Fundament zu dünn mache und nicht isoliere, dann aber oben goldene Wasserhähne einbaue.
Claudia:
[25:38] Schönes sprachliches Bild, gefällt mir so.
Nicolas:
[25:40] Genau, aber genau darum geht es eigentlich beim MVP, wirklich sich auf das Wesentliche zu fokussieren und sich dann ganz genau zu überlegen, was ist das, was die Lösung braucht, damit wir mal rausgehen können. Weil dann fällt vielleicht auf, ah, statt der goldenen Wasserhähne bräuchte ich vielleicht doch noch eine Haustür und vielleicht habe ich vergessen, dass ich in einer Sturmregion wohne und ich muss das Dach ein bisschen verstärken. Und dann ist halt kein Budget mehr da für die goldenen Wasserhähne.
Claudia:
[26:04] Okay.
Nicolas:
[26:04] Während wenn ich die goldenen Wasserhähne gleich am Anfang einbaue, dann ist das Budget weg.
Claudia:
[26:08] Ja, kann ich verstehen. Kann ich gut nachvollziehen. Okay, also jetzt hast du ein bisschen was zu euren Beteiligten gesagt, Nicolas, und wie die sozusagen ihre, was das war, was ihr berücksichtigen musstet mit eurem Vorgehen und was ihr eben auch gemacht habt. Und jetzt reden wir ein bisschen ja von heute zurückgeschaut in die Vergangenheit, weil all das ist live, all das steht zur Nutzung für eure, du hast gesagt, Hauptstakeholdergruppe für die Studierenden und für die Lehrpersonen zur Verfügung. Und das heißt, wir können eigentlich jetzt, wir, ihr könnt zurückgucken und sagen, okay, was war es denn,
Claudia:
[26:47] Ich unterstelle jetzt, ihr wart erfolgreich mit dem, was ihr gemacht habt. Was war es denn, was euch diesen Erfolg ermöglicht hat in diesem Projekt? Ich glaube, ein bisschen was haben wir schon gehört, immer zu dem einzelnen Punkt. Aber vielleicht kann man es jetzt nochmal so ganz knackig, ja, vielleicht für unsere Zuhörerenden nochmal so platzieren, weil ich glaube, da hören die einen oder anderen schon mit sehr neugierigem Ohr zu.
Nicolas:
[27:09] Also von meiner Seite aus, das, was ich vorhin gesagt habe, es muss ein Projekt sein, was von der gesamten Organisation getragen wird. Wenn die Organisation nicht mitzieht, wird das nicht funktionieren. Das heißt, das Thema Kultur, das Thema Fokus, Motivation ist da ganz, ganz wichtig. Der MVP-Ansatz mit dem Mut zur Lücke. Also dann wirklich zu sagen, das ist eben was, das habe ich auch gemerkt, für mich war jetzt das der Einstieg in die Bildungswelt. Ich war vorher in anderen Bereichen unterwegs. Und was ich da aber ganz klar gemerkt habe, ist natürlich, der Ansatz vom MVP- und Pareto-Prinzip passt natürlich nicht so zur Wissensarbeit. Da geht es um Perfektion, Exaktheit. Und das dann auch zu rechtfertigen. Und ich erinnere mich da an Feedback von einer Lehrperson, die, wo ich dazu sagen muss, im Bankenumfeld unterwegs ist. Und die uns nach so einem Release mal die Rückmeldung gegeben hat. Ja, warum hat es jetzt da wieder einen kleinen Fehler drin? Und hier, warum testet ihr das nicht? Also doch, doch, natürlich. Aber wir haben Bereiche, die wir stärker testen, wo es zum Beispiel um die Notenanzeige und Notenberechnung geht. Wenn da was nicht stimmt, dann darf das nicht passieren.
Claudia:
[28:15] Nein, das darf wirklich nicht passieren.
Nicolas:
[28:17] Genau. Aber wenn jetzt, sage ich mal, irgendwo in der Anzeige beim Kalender irgendwo ein kleiner Pfeil verrutscht, dann ist das nicht ganz so tragisch. Und dann muss man eben da, das ist auch ein Teil vom MVP-Ansatz, dass man eben da den Aufwand auch ausrichtet an dem Zeitplan, den man einhalten möchte und an der Wirkung. Genau. Das andere ist dieser Architekturansatz. Das sehen wir jetzt, wo das in Betrieb ist. Jetzt läuft das System und jetzt kommen natürlich von jetzigen Seiten Verbesserungsideen, Wünsche. Wir wollen noch drei weitere. Also wir machen hauptsächlich unsere Lehrmittelverteilung über SharePoint, weil unsere Teilnehmenden dann sehr einfach ist, sich eine Kopie davon runterzuladen, es vielleicht auszudrucken, wenn sie es möchten, weil es ein PDF ist, Notizen reinzuschreiben. Aber es gibt halt auch eben Fächer, wo wir auf externe Lehrmittellieferanten angewiesen sind, die müssen integriert werden. Da wir uns eben für einen offenen Ansatz entschieden haben und einer von diesen Kernkomponenten ist eben das sogenannte Identity Management. Also wir haben ein eigenes Login-System, ein Single Sign-On-System integriert, haben das auch vor die Microsoft-Welt geschraubt. Also wirklich, man loggt sich dort zuerst ein und dann automatisch in alles andere. Und so können wir jetzt eben einen zusätzlichen Lehrmittelprovider einbinden. Der User klickt auf den Link und ist drin.
Claudia:
[29:37] Okay, cool. Sehr cool.
Nicolas:
[29:39] Und da merkt man jetzt, genau, das sind die Vorteile, wenn ich es jetzt anders gemacht hätte, dann müsste er einen Account dort haben, müsste ein separates Passwort. Absolut. Das würde jetzt unsere, also einerseits Frustration beim Kunden erzeugen, andererseits bei uns den Supportaufwand in die Höhe treiben.
Claudia:
[29:53] Okay, richtig, ja. Das war auch eine Brille, die durchaus sehr wichtig ist, die aufgesetzt zu haben. Absolut, ja.
Nicolas:
[30:00] Und das Letzte, wirklich diese von Anfang an auf Prozessautomatisierung zu setzen und zu schauen, dass die Prozesse handelbar bleiben, dass es skalierbar bleibt. Weil ansonsten, wenn die Administrationsabteilung keinen Spaß blöd gesagt hat, dran an dem Projekt hat auf einmal dreimal so viel Arbeit, dann merkt das auch der Kunde hinten raus. Bei uns ist wirklich, wir haben das komplette Lifecycle-Management von unseren teilnehmenden Lehrpersonen jetzt wirklich durchautomatisiert. Das heißt, startet ein Lehrgang, wird, Glück gesagt, noch ein Knopf gedrückt. Es gibt noch zwei, drei Optionen, die man auswählen kann. Danach werden die User-Konten erstellt, die Teams-Kanäle, das Rechte-Management eingerichtet in den verschiedenen Tools, die ja alle da sind. Und das wird dann auch automatisch weiter gepflegt, wenn es Änderungen gibt, basierend auf unserem Schulverwaltungssystem. Das wäre, wenn wir das nicht hätten, hätte, glaube ich, ein Großteil der Unternehmung nicht so Freude an dem Projekt.
Claudia:
[30:55] Aber es klingt für mich so, dass es, wie sagt man denn, eine gute User Experience ermöglicht, so würde es heute Neudeutsch so schön sagen. Weil ich glaube, ich erinnere mich, in der ersten Episode haben wir ja auch ein bisschen gesprochen, was bedeutete diese Umstellung jetzt in dieses Blended Learning für die Lehrpersonen zum Beispiel, auch für die Studierenden, aber auch für die Lehrpersonen. Und mit dem, so wie du es beschreibst und wie ich es mir jetzt vorstelle und dass es das leicht macht für die Menschen, die jetzt neu mit dieser Lösung arbeiten, dass sie zumindest sagen, ja, es ist neu, aber es macht es mir einfach. Und das sollte euch ja eigentlich in großer, auch wir reden ja noch immer über Erfolgsfaktoren, eigentlich ein Erfolgsfaktor für die Akzeptanz gewesen sein für das Neue. Sehe ich das richtig?
Nicolas:
[31:39] Ist so, es kommt natürlich... Man muss immer beachten, man erwischt, gerade mit dem MVP-Ansatz, nie alle. Es wird immer eine Gruppe geben, die dann, das ist vielleicht ein Punkt, wir haben auch tatsächlich den MVP nur mit Erstsemestern gemacht.
Claudia:
[31:54] Aha, okay.
Nicolas:
[31:55] Also den ersten Launch haben wir nur mit unbelasteten Erstsemestern gemacht, weil aus meiner Sicht, das kenne ich aus der Transformation, der Mensch ist in der Regel veränderungs-avers, zumindest zu einem Großteil. Es gibt ja diese Gaußsche Glockenkurve, kann man da eigentlich drüberlegen. Es gibt einen Teil, der hasst Veränderung. Dann gibt es einen Teil, der sagt, okay, wenn ich muss. Und dann gibt es einen kleinen Teil, der liebt Veränderung.
Claudia:
[32:21] Ja, aber einen sehr kleinen Teil.
Nicolas:
[32:23] Genau, zu dem zähle ich mich jetzt dazu. Muss ich, glaube ich, in meinem Job. Aber ich weiß ganz genau, es gibt ganz viele, die nicht so sind. Und deswegen habe ich gesagt, lieber Erstsemester nehmen, dann kriegen wir ehrliches Feedback, ob die Lösung gut ist oder nicht. Und erst wenn es dort sauber funktioniert, haben wir es auch auf die bestehenden Klassen ausgerollt.
Claudia:
[32:45] Ja, finde ich einen super Ansatz. Corinna, ich will dich auch nochmal fragen, Erfolgsfaktoren, was waren für dich denn so Erfolgsfaktoren?
Corinna:
[32:53] Ja, also ich glaube gerade, also das, was Nicolas alles gesagt hat, stimme ich zu 100 Prozent zu. Also vielleicht würde ich vielleicht nochmal auf den KVP-Prozess auch nochmal eingehen wollen. Denn das ist tatsächlich was, was ich super gut fand, was die sfb da jetzt gemacht hat. Also wir hatten diese erste Lösung, diese minimale Lösung und dann wurde Feedback eingeholt. Und zwar Feedback eingeholt an den Personen, die es halt betroffen hat, die Lehrpersonen und die Studierenden. Und die haben Feedback gegeben. Und dann wahnsinnig toll, wie schnell dann auch dieses Feedback umgesetzt worden ist. Also das muss ich sagen, dass es auch nicht gang und gäbe, dass man Feedback so schnell umsetzt. Und da ist die IT bei der sfb wirklich sehr, sehr fix gewesen. Und das fand ich jetzt zum Beispiel ein wahnsinniger Erfolgsfaktor. Aber ein weiterer Aufwärtsfaktor jetzt aus meiner Perspektive ist, dass wir einfach, es hat zwar gedauert mit dem Einspielen, aber als wir dann eingespielt waren, hat das super gut funktioniert. Wir waren ein super flexibles, agiles, eingespieltes Team, also mit der sfb zusammen, aber natürlich auch intern in unserer Projektbesetzung. Und ja, die Zusammenarbeit war super und wir konnten auch schnell immer reagieren, wenn eben was war. Es gab eine große Wertschätzung zwischen den Kollegen und zwischen dem Auftraggeber. Also auch eine hohe psychologische Sicherheit hatten wir dort, Fehler durften passieren. Was natürlich auch am Anfang passiert ist, das alles zusammen, tolles Team, tolle Kunden, hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und da bin ich dann doch stolz auf die Gesamtkomposition, die wir da jetzt ermöglicht haben. Und ich hoffe, Nicolas, du auch.
Nicolas:
[34:23] Also danke erst mal für die Lorbeeren. Klar. Nein, aber danke auch für die Bemerkung bezüglich KVP-Prozess. Also ich glaube, ich habe es jetzt vielleicht einfach nicht erwähnt, weil sich das für mich, für mich gehört das dazu, aber du hast recht, es ist tatsächlich an vielen Stellen leider nicht Standard. Mit dem User dann reden, Feedback einholen, ihn einbinden in die Umsetzung und dann auch schnell, Vorwärts machen und verbessern. Das ist sicher ganz, ganz wichtig. Guter Punkt, gehört für mich sowieso, deswegen glaube ich, habe ich es jetzt noch nicht erwähnt, gehört für mich dazu, zur Kundenorientierung. Aber ich gebe das auch gern von der Zusammenarbeit her zurück, muss ich sagen, weil das, wie du es gesagt hast, Corinna, es hat sich dann super gut eingespielt, die Kommunikation reibungslos funktioniert. Wenn es ein Problem gab, gab es nicht irgendwie Fingerpointing, sondern direkt, okay, Problem erkannt, lösen wir. Und ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis, dass man auch wirklich offen gesagt hat, wo es drückt, wenn es mal nicht so funktioniert. Offen gesagt hat, wenn man mit einer Lösung eben nicht einverstanden war, weil es nicht so gut funktioniert. Und das gebe ich so gern zurück. Also das hätten wir auch bei der Menge, die wir jetzt miteinander produziert haben, gerade auch an den Selbstlerneinheiten, hätte das ohne so fachkundige Unterstützung niemals dieses Ergebnis gegeben. Weil die beste technische Plattform funktioniert nicht, wenn der Content nicht gut ist.
Claudia:
[35:45] Absolut. Und ich überlege gerade, was ich dazu jetzt kommentiere. Ich habe keine einzige Stunde auf eurem Projekt verbracht. Ich kenne euch als Organisation, Nicolas, überhaupt gar nicht. Aber bereits nach der ersten Podcast-Episode und mit eurer jetzt wieder habe ich das Gefühl, das ist ein tolles Klima, ein tolles Projektklima, was ihr da hattet. Und.
Claudia:
[36:08] Ja, wenn ihr mal wieder eine Aufgabe habt, ich komme auch. Wenn es um Training geht, dann bewerbe ich mich auch sozusagen. Also, aber Spaß beiseite. Jetzt haben wir, glaube ich, gemeinsam geschafft, einen ganz guten Abriss zu geben, hoffe ich zumindest. ein bisschen geguckt auf, nachdem wir einmal gesagt haben, was macht denn dieses Blended Learning Angebot jetzt bei der sfb, das neue, was macht es aus? Das hatten wir in der ersten Episode besprochen und jetzt haben wir gesagt, okay, und wie haben wir das alles umgesetzt, realisiert? Was waren Erfolgsfaktoren? Was waren Dinge, die benötigt wurden, damit es am Ende diese pragmatische Lösung und den Mut zur Lücke überhaupt haben konnte?
Claudia:
[36:50] Und ich würde jetzt tatsächlich dafür erstmal schon mal Danke sagen an euch beide und würde euch aber nicht gehen lassen wollen aus dieser Episode, in der ich hoffe, dass wir unseren Hörerinnen und Hörern viel angeboten haben, zum interessiert nochmal nachhören, zum vielleicht auch fragen. Also ihr beide seid natürlich auf LinkedIn erreichbar. Also insofern kann man da bestimmt auch, wenn man da mehr wissen möchte, mit euch auch Kontakt aufnehmen. Aber ich möchte euch nicht gehen lassen, bevor ich euch nicht gefragt habe, Was möchtet ihr unseren Hörerinnen und Hörern denn zum Schluss noch mitgeben? Ihr zwei. Ihr startet. Nicolas, du hast immer angefangen. Jetzt darfst du. Ladies first. Ladies first.
Corinna:
[37:29] Okay, dann meine Botschaft ist, ja, es hat sich jetzt gezeigt, dass so große Blended Learning Konzepte und deren Umsetzung mit einer technischen Lösung eben viel mehr ist als nur dieses Silo-Arbeiten. Also Silo-Arbeiten ist an der Stelle nicht möglich. Es sei denn, man möchte halt das Projekt gegen die Wand fahren. Das Ganze bringt Herausforderungen und es sind verschiedene Stakeholder mit drin, verschiedene Perspektiven, technische Hürden oder halt auch Zeitdruck hatten wir auch ab und an. Das gehört aber total dazu und ich glaube, wir können trotzdem davon total profitieren mit den Erfahrungen, die wir jetzt gemacht haben. Und es hat sich mal wieder gezeigt, dass gute Lernlösungen nicht ausschließlich nur von Tools ausgehen, sondern halt, dass da der Mensch auch dahinter steckt und dass wir da gemeinsam mit unterschiedlichen Menschen anpacken und uns wieder Gedanken dazu gemacht haben. Ja, ich habe gelernt, dass Offenheit, Vertrauen und Teamgeist auch sehr, sehr wichtig ist und ja, dass wir zusammen halt was Gutes gestalten konnten dadurch. Und ich hoffe, dass diese Energie jetzt im Podcast rübergekommen ist und dass die Hörerinnen da einiges mitnehmen konnten.
Claudia:
[38:36] Sehr schön. Ich habe ganz herzlichen Dank, Corinna. Und dann würde ich jetzt sehr gerne Nicolas nochmal fragen.
Nicolas:
[38:42] Jetzt fällt mir schwer, noch was zu ergänzen. Tatsächlich unterschreibe ich alles. vielleicht dann...
Claudia:
[38:48] Du hast doch aber so eine schöne Karte auf unser Board geklickt zur Vorbereitung.
Nicolas:
[38:53] Ich weiß, das Schild hängt tatsächlich genauso bei uns auch in der Küche. Alle sagten, das geht nicht. Da kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. Das ist, beschreibt eigentlich auch sehr gut dieses, die Anwendung vom Pareto-Prinzip, den MVP-Gedanken und eben, Gerade wenn wir jetzt hier in der Schweiz sind, ist das vielleicht, wenn man keine Bank ist, dann sollte man sich auch nicht wie eine Bank benehmen. Das heißt, und das ist man als Hochschule, Schule, Lerninstitut, ist man das auch nicht. Und inhaltlich sollten da nicht so viele Fehler drin sein, aber auf der technischen Seite darf man sich durchaus Experimente erlauben und dann kommt man schnell zum Ziel.
Claudia:
[39:33] Super. Ihr zwei, herzlichen Dank. Ich habe ganz viel gelernt in der Vorbereitung dieser Episode. Ich habe auch in der Episode jetzt noch was gelernt. Ich danke euch sehr, dass ihr da wart. Ja, für eure Bereitschaft, tatsächlich auch eure Erfahrung und eure Expertise zu teilen. Herzlichen Dank. Mir hat es viel Freude gemacht.
Nicolas:
[39:52] Dito, vielen Dank.
Corinna:
[39:53] Ja, danke schön, Claudia. Und danke, Nicolas.
Claudia:
[39:56] So, und an euch da draußen. Herzlichen Dank, dass ihr wieder dabei wart. Bei einer, wie ich finde, wieder sehr spannenden Episode der Lernlust. Und dann würde ich sagen, bis zum nächsten Mal. Macht's gut. Tschüss.
Outrotext:
[40:15] Ach, übrigens, habt ihr uns eigentlich schon abonniert? Das geht überall da, wo ihr eure Podcasts am liebsten hört. Wir, die Hosts des Podcasts Susanne und Claudia, Wir sind natürlich auf LinkedIn, auf Twitter oder auch auf Mastodon erreichbar. Und wenn ihr lieber mit unserem Podcast selber interagiert, das geht auf Mastodon direkt. Und natürlich könnt ihr uns euer Feedback, eure Anregungen, euer Lob und eure Verbesserungsvorschläge auch direkt auf Podigee schreiben. Also, wir hören uns in der nächsten LERNLUST.
Neuer Kommentar